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Kapitel 9 - Wetterkapriolen

Der Winter 2009/2010 dauert lange, sehr lange. Meteorologisch völlig normal, dennoch eine gefühlte Unendlichkeit mit viel Schnee und eisigen Temperaturen. Die Leguane sitzen vor den verschlossenen Fenstern, kratzen an den Scheiben und versuchen, einen Weg nach draussen zu finden. Die unbestreitbare Tatsache, dass es erheblich zu kalt für sie ist, scheint sie nicht zu interessieren. Tag für Tag rennen sie erwartungsfroh zum Fenster und verstehen nicht, wieso der Zweibeiner nicht endlich den Weg ins Freie öffnet.

Erst Ende April wurden die Temperaturen so stabil, dass wir den Leguanen zumindest einen stundenweisen Ausgang erlaubten. Wie schon im Jahr zuvor, stellte sich der Weg zum Außengehege als Einbahnstrasse heraus. Zurück kamen sie nur selten. Die Nächte waren noch zu kühl um sie im Freien übernachten zu lassen, folglich mussten wir sie einsammeln und zurück ins Terrarium tragen. Sehr schnell entwickelte sich ein interessantes Rollenspiel, das man als "guter Pfleger, böser Pfleger" bezeichnen könnte. Wer das Fenster öffnet, wird freudig erwartet und zum "guten Pfleger" ernannt. Wer abends die Tiere einsammelt, wird entsprechend unwirsch empfangen und muss mit heftiger Gegenwehr rechnen. Meist bleibt es allerdings bei Drohgebärden oder kleineren Kratzern.

Außengehege im SchneeHöchsttemperaturen

Schnee zu Beginn des Jahres und Höchsttemperaturen im Juli.

Die erste Nacht im Freien

ÜbernachtungÜbernachtung im Freien

Im Juni wurde es richtig knackig warm. Selbst nachts blieben die Temperaturen deutlich über 20 Grad. Eines Abends bekundeten die beiden großen Leguandamen mal wieder keinerlei Interesse ins Terrarium zurückzukehren und legten sich im Außengehege zur Ruhe. "Also gut" dachten wir "dann bleibt halt draussen".  Das Fenster wurde geschlossen, um den Geckos die Chance auf eine externe Nachtwanderung zu nehmen. Leguane einsammeln kann schon anstrengend sein, aber Geckos im Außengehege jagen erschien uns wenig aussichtsreich.

Noch nie hatten unsere Leguane im Freien übernachtet. Vermutlich wird die überwältigende Mehrheit aller in Deutschland gehaltenen Leguane auch keine Gelegenheit dazu haben. Es war allerdings auch für uns eine neue Erfahrung. Wie würden sie reagieren, wenn es zu regnen beginnt? Oder falls sich eine Katze nähern sollte? Oder die Grilldüfte von Nachbars Gartenparty noch intensiver werden? Vermutlich waren wir nervöser als die Leguane, vergleichbar mit Eltern, deren Kinder zum ersten Mal über Nacht wegbleiben. Alle Gedankenspiele waren letztlich völlig unnötig. Die Leguane haben das gemacht, was sie immer nachts tun. Sie haben geschlafen! Als wir am Morgen das Licht in der Futterküche eingeschaltet haben, gab es dann doch eine kleine Überraschung. Die beiden Leguandamen kratzten an der Scheibe, jetzt allerdings um herein (!) zu kommen. Eines haben sie sich wohl doch gemerkt: Frühstück gibt es drinnen!

Sommerhitze

Im AußengehegeHitzewelle1

Hitzewelle2Hitzewelle3

Grüne Leguane werden gerne als klassische Regenwaldbewohner bezeichnet. Sie kommen aber auch in Trockengebieten zurecht, wie zum Beispiel auf den Karibikinseln oder im Norden von Venezuela. Eine mittlere Tagestemperatur von 30-35 Grad, mit Spitzen von über 40 Grad und eine Nachttemperatur von 20-26 Grad sind charakteristisch (vgl. Michael Schardt, Frank Mutschmann, Heiko Werning: "Grüne Leguane" (Seiten 71 bis 73), Natur und Tier - Verlag 2009).

Anfang Juli herrschten in unserem Außengehege Temperaturen von mehr als 37 Grad. Da Leguane nicht schwitzen, ziehen sie sich zurück, sofern es ihnen zu warm wird. Etwas Abkühlung erreichen sie durch Aufsperren des Mauls, was die Bilder eindrucksvoll belegen. Spannend wurde es, als das erste Hitzegewitter aufzog. Den einsetzenden Regen haben die Leguane offensichtlich genossen, aber nach den ersten kräftigen Donnerschlägen haben sie sich dann doch zurückgezogen.

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