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Gottesanbeterinnen

Tagebuch der Gottesanbeterinnen: Mai bis November 2004

Im Mai 2004 haben wir erstmalig den Versuch unternommen, Gottesanbeterinnen (Sphodromantis lineola) zu verpaaren. Es funktionierte. Dieses Tagebuch dokumentiert einen kompletten Zyklus: die Paarung, der Bau der Kokons, der Schlupf der Nymphen sowie die Aufzucht und das Heranwachsen der Jungtiere.

 

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Die Paarung

Männchen und Weibchen wuchsen in zwei getrennten Terrarien auf. Bevor wir die beiden zusammengesetzt haben, wurde das Weibchen gut gefüttert. Damit sollte das Risiko minimiert werden, dass der Mann während der Kopulation oder kurz danach verspeist wird.

Nachdem wir ihn in ihr Terrarium gesetzt hatten, wurde ihr eine fette Grille angeboten. In einem Buch über die Aufzucht von Insekten haben wir gelesen, dass dieser Vorgang positiv in zweierlei Hinsicht sein soll. Erstens erhöht das erneut den Sättigungsgrad des Weibchens und zweitens signalisiert es dem Männchen: Keine Gefahr, die Alte ist schon satt! Ob das wirklich stimmt, wissen wir nicht, aber es hat funktioniert!

Nach etwa 5 Stunden kam es zur Kopulation. Sie beiden saßen ungefähr 15 Stunden aufeinander. Danach hat er sich in die hintere Ecke des Terrariums zurückgezogen. Wir haben ihn wieder in sein eigenes Terrarium zurückgesetzt. Ab diesem Moment hat er jede Nahrungsaufnahme verweigert und ist 3 Tage später gestorben.

 


 

30.05.2004 - Tag 1 - Der erste Kokon

Der erste Kokon (Oothek). Es ist knapp 4 cm lang und gut 1,5 cm breit. Eine schaumige Masse, die stark an Bauschaum erinnert, härtet ab und schützt die in ihr befindlichen Eier.

Die Anzahl der Eier je Kokon wird in der Literatur mit 70 bis 400 angegeben. Bis zu 6 Kokons können es werden. Rein mathematisch betrachtet, reden wir gerade von 420 bis 2400 Gottesanbeterinnen. Na denn.

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07.06.2004 - Tag 9 - Der zweite Kokon

Der zweite Kokon ist da. Das Bild zeigt im Vordergrund den ersten Kokon. Rechts im Hintergrund der neue. Mathematischer Zwischenstand: 140 bis 800. Also schon mal Heimchendosen sammeln. Um die Kokons zu schützen, haben wir ein weiteres Terrarium vorbereitet und das Weibchen umgesiedelt. Ihr Appetit ist sensationell. Das könnte ein Anzeichen dafür sein, dass ein weiterer Kokon in Planung ist.

 


 

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18.06.2004 - Tag 20 - Der dritte Kokon

Der dritte Kokon ist da. Mathematischer Zwischenstand: 210 bis 1200. Also weiter Heimchendosen und Marmeladengläser sammeln.

 


 

25.06.2004 - Tag 27

Momentan tut sich wenig. Für das Schlüpfen der Nymphen aus dem ersten Kokon ist es noch zu früh. Dem Weibchen scheint es richtig gut zu gehen. Sie hat nach wie vor einen unstillbaren Hunger. Der Hinterleib ist schon wieder leicht angeschwollen.

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11.07.2004 - Tag 43 - Die ersten Nymphen

Die ersten Nymphen sind da. Was für ein Anblick. Das komplette Terrarium wimmelt nur so von kleinen Gottesanbeterinnen.

Sie sind braun, gut einen Zentimeter groß und unglaublich schnell.

Ohne es wirklich richtig bewerten zu können: 250 Stück. Jetzt wird's spannend. Wohin damit?

Da sich schon die kleinen selbst verspeisen ist klar, dass sie nicht alle zusammen bleiben können. Und erst recht nicht mit den Kollegen aus dem zweiten Kokon.

Alle einzeln zu versorgen ist unrealistisch. Der Großteil wird verfüttert. Das klingt brutal, war aber eigentlich klar. Einige möchten wir schon ernsthaft groß ziehen, der Rest wird abgegeben.

 


 

12.07.2004 - Tag 44 - Nymphen in Dosen

Insgesamt 20 Dosen haben wir aufgefüllt. Einige Fetzen Papierhandtücher hinein um die Lauffläche zu vergrößern und Versteckmöglichkeiten zu bieten. Dann jeweils 5 Nymphen in eine Dose. Damit sind schon mal 100 versorgt. Da heute alle Fleischfresser gefüttert werden, bietet sich ein kulinarischer Leckerbissen an: frische Gottesanbeterinnen. Die Resonanz ist überwältigend. Für die Krötenkopfagamen scheinen die Nymphen ebenfalls eine Delikatesse zu sein. Ihnen ist es am liebsten, wenn sich das Futter auf sie zu bewegt und nicht umgekehrt. Kaum haben wir einige Nymphen ins Terrarium gelassen, waren sie schon verspeist. Derartige Spurtqualitäten hätten wir unseren Krötenkopfagamen nicht zugetraut.

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Das nächste Highlight erlebten wir bei den Sägeschwanzeidechsen. Das sind exzellente Jäger, unglaublich schnell, wendig, zielsicher und stets hungrig. Die Nymphen hatten keine Chance. Diese erste Erfahrung zeigt, dass die Nymphen bei unseren Echsen eine echte Bereicherung der Speisekarte sind. Einziger Nachteil. Sie können problemlos an den Glasscheiben und an der Terrariendecke entlang laufen. Damit sind sie für viele Echsen unerreichbar. Das sollte man beobachten und sie ggf. wieder einsammeln.

 


 

14.07.2004 - Tag 46

Heute war die erste Fütterung. Für die in den 20 Heimchendosen untergebrachten Nymphen gab es frisch geschlüpfte Heimchen. Dose auf, Heimchen rein, etwas anfeuchten und Dose wieder zu. Auf den ersten Blick gab es keine Verluste. In jeder Dose exakt 5 Stück. Aus dem ersten Kokon kommen noch vereinzelt neue Nymphen nach. Ungefähr 50 befinden sich jetzt noch im Terrarium. Diese werden in den nächsten Tagen verfüttert. Die ursprüngliche geschätzte Zahl von 250 scheint realistisch.

 


 

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21.07.2004 - Tag 53 - Der vierte Kokon

Der vierte Kokon ist da. Kaum war dieser fertig gestellt, begann sie wieder zu fressen. Kurz hintereinander verschlang sie 3 mittlere Heimchen.

Wir gönnen ihr noch einen Tag Erholung, dann wird sie zum Schutz der Kokons in ein neues Terrarium gesetzt.

Ansonsten tut sich wenig. Der erste Kokon ist leer, aus dem zweiten und dritten sind noch keine Nymphen entsprungen.

Das Füttern des Nachwuchses klappt sehr gut. Es ist weit weniger Arbeit, als zunächst vermutet. Erfreulicherweise gibt es kaum Verluste.

 


 

24.07.2004 - Tag 56

Der zweite Kokon hat sich geöffnet. Es schlüpften etwa 100 Jungtiere. Ungefähr 50 wurden in Heimchendosen umgesiedelt, die anderen verfüttert.

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04.08.2004 - Tag 67

30 Gottesanbeterinnen haben die erste Häutung hinter sich. Diese 30 haben wir aussortiert und einzeln in Gläsern untergebracht. Etwas Erde, zwei Bambusstäbe und als Abdeckung feiner luftdurchlässiger Stoff (Fliegengitter). Kokon 3 und 4 sind noch immer fest verschlossen. Das Weibchen frisst eine große Grille pro Tag. Ihr Hinterleib ist wieder deutlich angeschwollen. Wir rechnen damit, dass noch ein fünfter Kokon folgt.

 


 

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10.08.2004 - Tag 73 - Der 3. Kokoon ist offen

Kokon 3 hat sich geöffnet. Die Anzahl der Nymphen beträgt ca. 120. Damit beläuft sich die Gesamtzahl auf 470. Der größte Teil wird verfüttert. Etwa 20 sind in Gläsern untergebracht.

 


 

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14.08.2004 - Tag 77 - Der 5. Kokon

Der 5. Kokon ist da. Während die ersten vier in etwa gleich groß sind, ist dieser deutlich kleiner.

 


 

17.08.2004 - Tag 80

Traurige Nachricht. Nachdem das Weibchen den recht klein geratenen 5. Kokon erstellte, hat sie sich zwischen zwei Blätter einer Pflanze zurückgezogen und ist kurz danach verstorben.

Ihr genaues Alter können wir nur schätzen. Wir haben sie im Oktober 2003 bekommen, im Alter von ca. 4 Wochen. Das deutet auf eine Gesamtlebensdauer von etwa 11 Monaten hin. Ihren männlichen Partner hat sie um ca. 3 Monate überlebt.

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11.09.2004 - Tag 105

Es hat sich wenig getan in den letzten 3 Wochen. Die Kokons 4 und 5 sind noch immer verschlossen. Langsam kommen Zweifel auf, ob diese überhaupt Nymphen beinhalten. Der Entwicklungsstand der kleinen Gottesanbeterinnen ist sehr unterschiedlich. Die kleineren sind ca. 2 cm, die größeren etwa 4 cm. Die Farbspanne reicht von grasgrün bis braun. Das Bild zeigt, dass Aussehen und Verhalten den adulten Tieren schon sehr ähnlich sind.

 


 

02.10.2004 - Tag 126

Aus den Kokons 4 und 5 sind keine Nachkommen mehr zu erwarten. Aus den ersten 3 Kokons waren bis zum 10.08.2004 ca. 470 Nymphen geschlüpft. Die meisten haben wir verfüttert bzw. abgegeben. Verblieben sind insgesamt 7, die in kleinen Terrarien jeweils einzelnen untergebracht sind. Wir hoffen, dass sich daraus wieder (mindestens) ein erfolgreiches Zuchtpaar entwickelt.

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21.11.2004 - Das Schlusswort

Jetzt hat sich der natürliche Kreislauf geschlossen. Ein Zyklus ist beendet, gleichzeitig beginnt ein neuer. Die Jungen sind erwachsen und werden bald selbst für Nachwuchs sorgen. Hoffentlich!

 

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