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Tagebuch der Jemen-Chamäleons

Die Aufzucht junger Jemen-Chamäleons



Den kompletten Lebenszyklus konnten wir am Beispiel von Oskar, unserer Jemen-Chamäleon Dame (Chamaeleo calyptratus) beobachten. Sie schlüpfte zusammen mit ihren Geschwistern im Jahre 2005. Während ihre Geschwister uns nach und nach verlassen haben, blieb Oskar bis zu ihrem Tod im Oktober 2008. Erfahren Sie, warum die Dame ausgerechnet Oskar genannt wurde, wie die Kleinen aufgewachsen sind und was aus ihnen wurde.

Die Vorgeschichte

Bis zum 28.08.2004 wurden die beiden Chamäleons in getrennten Terrarien aufgezogen. Dann durfte die Chamäleon-Dame erstmals Ihren männlichen Partner besuchen und gleich ging's zur Sache. In den folgenden Wochen wurden die Besuche mehrfach wiederholt.

PaarungPaarung



10.01.2005

Das Weibchen ist mittlerweile trächtig. Man die kann die Eier gut erkennen. Langsam machen wir uns Sorgen, denn es wird Zeit, die Eier abzulegen. Legenot kann bei Reptilien zu einem ernsten Problem werden und ggf. zum Tod führen, wenn kein geeigneter Ablageplatz gefunden wird. Wir haben eine größere Tonne mit lehmhaltigem Sand vorbereitet. Dieser Sand ist ein wenig feucht und zum Graben hervorragend geeignet. Bis auf einige Probe-Grabungen hat es aber keine ersthaften Ablageversuche gegeben.

15.01.2005

Wir haben uns entschieden ein wenig Geburtshilfe zu leisten. Wir nutzen einen Trick, den wir von professionellen Tierpflegern übernommen haben. Das Weibchen kommt in die Tonne und die Tonne wird mit einem Deckel abgedeckt. In der Tonne ist es jetzt dunkel, das Tier befindet sich quasi unter der Erde. Der Trick klappte. Von außen konnten wir schon wenige Minuten später hören, dass sie zu graben begann, stets an der Außenseite der Tonne. Nach wenigen Stunden saß sie wieder auf dem Sand, von den Grabungen war überhaupt nichts mehr zu sehen. Lediglich ihr Äußeres verriet uns, dass nun alles erledigt war: Sie war sehr dünn, erschöpft und hatte noch recht viel Sand an Kopf. Wir setzen sie zurück in ein Einzel-Terrarium, gaben ihr mit einer Pipette zu trinken und gönnten ihr ein wenig Ruhe, Vorsichtig schabten wir Millimeter um Millimeter des Sandes aus der Tonne. In einer Tiefe von etwa 15cm fanden wir schließlich 35 Eier.

Eiablageerschöpftes Weibchen nach der Eiablage
EiablageDie Eier lagen 15 cm tief



Jedes Ei wurde einzeln mit einem kleinen Plastiklöffel aus der Tonne herausgenommen und in die Inkubationsbehältnisse gelegt. Dazu verwenden wir Heimchendosen mit angefeuchtetem Vermiculite. Anschließend werden die Eier mit trockenem Vermiculite bedeckt. Von jedem Ei bleibt ein kleines Stück sichtbar. So können wir frühzeitig erkennen, wenn ein Ei einfällt bzw. schimmelt und es entfernen, bevor andere Eier befallen werden. Die Heimchendosen werden anschließend verschlossen und beschriftet. Wir merken uns das Datum der Eiablage und die Anzahl Eier je Behältnis. Die Temperatur des Inkubators haben wir auf 27 Grad eingestellt. Hoffentlich haben wir alles optimal vorbereitet. Wir wünschen uns, dass viele Jungtiere schlüpfen. Gemäß den Angaben in der Literatur dauert die Inkubation zwischen 180 und 220 Tagen, als ein guten halbes Jahr.

10.06.2005

Heute haben uns die Chamäleons mit einem weiteren Gelege mit 45 Eiern erfreut. Im Vergleich zum Januar erfolgte die Eiablage völlig reibungslos. Als wir erkannt haben, dass das Weibchen wieder Eier austrägt, haben wir die Ablagetonne eingerichtet und bereitgestellt. Nur wenige Tage später hat sie die Eier gelegt, ohne unsere Mithilfe und ohne Deckel. Genau so sollte es auch sein. Chamäleons scheinen perfekte Mathematiker zu sein. 9 Eier passen in eine Heimchendose. 45 Eier, geteilt durch 9 ergibt genau 5 Dosen (für Diplom-Mathematiker: ohne Rest!). Im Inkubator wird es langsam eng. Auf der linken Seite sind die insgesamt 6 Dosen mit dem Gelege vom Januar, rechts die 5 Dosen mit dem neuen Gelege.

EiablageEiablage
InkubatorBlick in den Inkubator



24.06.2005 - Tag 1: Der Erstgeborene

Das erste von hoffentlich vielen kleinen Chamäleons ist da! Es stammt aus dem Gelege vom 15.01.2005 und benötigte 160 Tage. Der keine Sprinter ist also schneller als die Literatur. Aber das bedeutet nichts. Die Angaben sind Richtwerte. Schon ein kleiner Temperaturunterschied kann die Inkubationsdauer beeinflussen. Wir freuen uns jedenfalls und warten ungeduldig auf die Geschwister. Ab heute beginnt die Zeitrechnung für das Tagebuch. Wir haben Tag 1.

Das erste Jungtierzuerst mal raus aus dem Ei ...
Das erste Jungtier... und dann raus aus der Box



27.06.2005 - Tag 4: Nr. 2

Heute ist Nummer 2 geschlüpft. Der Akku des Fotoapparats hat uns im Stich gelassen, somit gibt es von Nummer 2 kein Foto. Das ist aber nicht so wichtig. Hauptsache ist, das Tier ist da und gesund.

30.06.2005 - Tag 7: Nr. 3

Beinahe eine Woche nach dem Erstgeborenen schlüpfte heute Nummer 3. Der Akku ist auch wieder fit, demnach gibt es auch ein Bild. Das Jungtier ist noch sichtlich erschöpft, wird sich aber in wenigen erholen.

Gerade geschlüpftes JungtierNoch recht erschöpft



01.07.2005 - Tag 8: Weitere Jungtiere

Häufig schlüpfen mehrere Jungtiere beinahe zeitgleichRaus aus den Eiern ...
Häufig schlüpfen mehrere Jungtiere beinahe zeitgleich... und nichts wie weg!



02.07.2005 - Tag 9: ... und die nächsten beiden...

Gerade geschlüpftes JungtierDieser ist noch ein wenig verdreckt ...
Gerade geschlüpftes Jungtierdieser dagegen sauber und trocken



03.07.2005 - Tag 10: ... und gleich drei weitere Jungtiere

Jungtiere
Gerade geschlüpftes Jungtier



07.07.2005 - Tag 14: Nr. 14 ist da

Es blieb lange ruhig im Inkubator. Drei endlos lange Tage ohne ein weiteres Jungtier sind nun vorbei. Nummer 14 schlüpft am Tag 14, sicherlich ein gutes Omen. Allerdings mussten wir ihn ein wenig unterstützen und halfen ihm vorsichtig, sich die Eihülle abzustreifen. Noch deutlich zu erkennen ist der Dottersack, der wenige Augenblicke später abfiel.

Gerade geschlüpftes JungtierZuerst mal die Eihülle loswerden.
Der Dottersack ist noch gut zu erkennenDer Dottersack ist noch gut zu erkennen



09.07.2005 - Tag 16: Zwei weitere Neuzugänge

2 gerade geschlüpfte Jungtiere



10.07.2005 - Tag 17: ... und die nächsten drei Jungtiere

3 weitere Jungtiere



12.07.2005 - Tag 19: ... und wieder drei Jungtiere

2 Jungtiere unmittelbar vor dem Schlüpfen2 Jungtiere unmittelbar vor dem Schlüpfen
Gerade geschlüpftes JungtierDieses Jungtier hat es bereits geschafft



13.07.2005 - Tag 20: Nr. 23

Gerade geschlüpftes Jungtier



15.07.2005 - Tag 22: Nr. 24 bis 26

Gerade geschlüpfte Jungtiere
Gerade geschlüpfte Jungtiere



16.07.2005 - Tag 23: Nr. 27

Gerade geschlüpftes Jungtier



31.07.2005 - Tag 38: Keine weiteren Jungtiere

2 Wochen nachdem das letzte Jungtier schlüpfte, ist jetzt klar, dass keine weiteren Jungtiere mehr folgen. Aus den ursprünglich 35 Eiern sind 23 Jungtiere geschlüpft. 3 Jungtiere haben es nicht überlebt, folglich sind noch 20 Jungtiere verblieben. Zwischen dem Erst- und dem Letztgeborenen liegen 23 Tage, der Größenunterschiede zwischen den beiden ist enorm. Wir trennen die Jungtiere in zwei Gruppen. Die größeren und kräftigeren Tiere erhalten ein eigenes Terrarium, die kleineren und eher jüngeren Tiere verbleiben im aktuellen Terrarium. Durch diese Trennung können wir jetzt die Nahrung besser auf die Tiere abstimmen. In der Gruppe der größeren Chamäleons werden bereits kleine Heuschrecken erfolgreich gejagt, während die kleineren Tiere noch mit jungen Stabschrecken versorgt werden. Zudem haben die kleinen Chamäleons jetzt weniger Stress, da ihnen die großen Geschwister nicht mehr die Nahrung streitig machen.



Akrobaten beim FressenEchte Akrobaten ...
Akrobaten beim Fressenzumindest wenn es ums Fressen geht



12.08.2005 - Tag 50: Impressionen

Die jungen Chamäleons entwickeln sich prächtig. Es macht richtig Spaß ihnen zuzusehen. Wir hoffen, dass sie nachfolgenden Fotos einen kleinen Eindruck vom Leben der Jungtiere vermitteln können.

Perfekte KörperhaltungPerfekte Körperhaltung
Grimmiger GesichtsausdruckGrimmiger Gesichtsausdruck



Alles im Blick ...Alles im Blick ...
Ein perfekter Kletterer.. schon jetzt ein perfekter Kletterer



01.10.2005 - Tag 100: Eine wichtige Entscheidung

Beinahe 2 Monate sind seit der letzten Eintragung vergangen. Nach und nach haben wir die Jungtiere abgegeben, bevorzugt die kräftigen und futterfesten Tiere. Ein Jungtier ist auffallend klein. Es scheint, als sei dieses Chamäleon seit seinem Schlupf überhaupt noch nicht gewachsen. Einmal konnten wir eine Häutung beobachten, aber ein auffallendes Wachstum, vergleichbar zu den Geschwistern war nicht ersichtlich. Für ein 3 Monate altes Chamäleons war er wirklich auffallend klein. Wir haben ihm den Namen Oskar gegeben, eine Anspielung auf den kleinen Blechtrommler, der sich ebenfalls erfolgreich weigerte zu wachsen. Und wir haben eine weitere Entscheidung getroffen. Oskar wird nicht abgegeben, sondern bleibt bei uns.

OskarOskar



20.12.2005 - Ein Neuanfang

Gestern und heute sind die ersten Chamäleons aus dem Gelege vom 10.06.2005 geschlüpft. Es wird sicherlich nicht lange dauern, bis diese Jungtiere Oskar eingeholt haben ...

Die nächste GenerationDie nächste Generation ...
... auf der Suche nach Drosophilas... auf der Suche nach Drosophilas



28.12.2005 - Weitere Jungtiere folgen

In kurzen Abständen folgen weitere Jungtiere.

JungtierHäutung
BlickDieser Blick!



Jungtier im Garten
Jungtier im Garten



08.03.2006 - Abschied von den Jungtieren

Wie schon nach dem ersten Gelege haben wir die kleinen Chamäleons abgegeben. Noch immer ist dies ein etwas trauriger Moment. Andererseits ist das ein richtiger und wichtiger Schritt. Die kleinen Calyptraten werden immer eigenständiger und beanspruchen ihre eigenen Territorien. Erfahrungsgemäß wachsen sie recht schnell, sobald sie getrennt aufgezogen werden. Also viel Glück, Jungs und Mädels, in etwa einem Jahr werdet ihr selbst für Nachwuchs sorgen.



Häutung
Entspannte Schlafstellung



10.10.2007 - Was ist eigentlich mit Oskar?

Zur Erinnerung: Oskar ist der Winzling aus dem ersten Gelege, der partout nicht wachsen wollte. Zwischenzeitlich ist Oskar gewachsen, und wie! Oskar ist übrigens ein Mädel. Sie ist zu einem stattlichen Weibchen geworden und hat ihrerseits bereits für reichlich Nachwuchs gesorgt. Ihr Nachkomme (rechtes Bild) ist auch auf dem Bild des Monats Oktober 2007 zu sehen.

Oskar, die TraumfrauOskar - eine Traumfrau ...
Oskars Nachwuchs... und eines ihrer ersten Kinder



22.10.2008 - Ein trauriger Tag in DahmsTierleben

Heute ist Oskar gestorben. Etwa 10 Tage lang hat sie jede Nahrungsaufnahme verweigert, nur ein wenig Wasser hat sie aus einer Pipette aufgenommen. Ein trauriger Moment, sie wird uns fehlen.