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Dipsosaurus dorsalis

Wüstenleguan



Name

  • Wissenschaftliche Bezeichnung: Dipsosaurus dorsalis
  • D Wüstenleguan
  • F Iguane du désert
  • UK Desert iguana
  • E Iguana del desierto
  • NL Woestijnleguaan



Systematik

  • Klasse: Reptilia (Reptilien) [LAURENTI, 1768]
  • Ordnung: Squamata (Schuppenkriechtiere) [OPPEL, 1811]
  • Unterordnung: Iguania (Leguanartige) [COPE, 1864]
  • Familie: Iguanidae (Leguane) [OPPEL, 1811]
  • Gattung: Dipsosaurus (Wüstenleguane) [HALLOWELL, 1854]
  • Art: Dipsosaurus dorsalis (Wüstenleguan) [BAIRD & GIRARD, 1852]
  • erstmals beschrieben: 1852 von Spencer Fullerton Baird (1823-1887) und Charles Frédéric Girard (1822-1895)



Merkmale

  • bewohnt Wüsten mit geringer Vegetation in Kalifornien, Nevada, Arizona, Utah, Mexiko
  • kann große Hitze bis ca. 45°C vertragen
  • ist tagaktiv und bodenbewohnend
  • kann bei Gefahr auf den Hinterbeinen davonlaufen
  • erreicht eine Gesamtgröße bis 40 cm, wobei die Länge des Schwanzes bis zu 25 cm betragen kann
  • hat eine Lebenserwartung von 15 Jahre
  • Natürliche Feinde sind Greifvögel, Kojoten und Schlangen



Dipsosaurus dorsalisDipsosaurus dorsalis
Dipsosaurus dorsalisDipsosaurus dorsalis



Terrarien-Einrichtung

  • Terrariengröße für 1,1: mindestens 5 x 4 x 3 (L x B x H) in KRL
  • hohe Lichtintensität
  • Kletter- und Versteckmöglichkeiten schaffen
  • sandiger lehmhaltiger Bodengrund (mind. 15 cm), da die Tiere gerne Höhlen graben
  • Temperatur tagsüber 30-35°C, lokal bis 50°C; nachts ca. 20°C
  • UV-Bestrahlung erforderlich
  • Luftfeuchtigkeit 30-40%



Dipsosaurus dorsalisDipsosaurus dorsalis
Dipsosaurus dorsalisDipsosaurus dorsalis



Ernährung

  • Grillen, Heimchen, Mehlwürmer, Heuschrecken
  • Salat, Löwenzahn, Blüten und Früchte



Dipsosaurus dorsalisDipsosaurus dorsalis
Dipsosaurus dorsalisDipsosaurus dorsalis



Eiablage, Inkubation und Aufzucht der Jungtiere

  • Die Weibchen legen bis zu 8 Eier, die bei einer Temperatur von 28-30 °C inkubiert werden
  • Die Inkubationsdauer beträgt ca. 60 bis 70 Tage
  • Die Aufzucht- und Haltungsbedingungen der Jungtiere entsprechen denen der adulten Tiere
  • Im Tagebuch beschreiben wir die Aufzucht der Jungtiere im Detail.



Dipsosaurus dorsalisEin Jungtier schlüpft
Dipsosaurus dorsalisJungtier



Winterruhe

  • Unsere Wüstenleguane haben ein feines Gespür für den idealen Beginn und das passende Ende der Ruhephase. Ein Eingriff unsererseits ist nicht erforderlich, eher sogar störend.
  • Im Herbst ziehen sich die Tiere auffallend häufig und lange zurück. Wir fahren dann zunächst die Ernährung und anschließend Temperatur und Helligkeit kontrolliert zurück. Unsere Pflege reduziert sich in dieser Zeit auf die Bereitstellung von frischem Wasser.
  • Nach ca. 6 bis 8 Wochen deuten sich die ersten Anzeichen für das Ende der Winterruhe an. Die Tiere lassen sich wieder sehen, zunächst nur selten und nur für wenige Minuten, später mehrfach am Tag.
  • Schrittweise werden Helligkeit und Temperatur erhöht und auch das Nahrungsangebot wird langsam wieder auf das gewohnte Niveau erweitert.

Erfahrungsbericht

Unser erstes adultes Pärchen haben wir im Januar 2004 erhalten. Der Vorbesitzer konnte keine exakten Angaben zum Alter machen. Er wusste lediglich, dass bereits einmal Eier abgelegt wurden. Mit welchem Erfolg war uns nicht bekannt. Kotuntersuchungen zeigten keine Beanstandungen. Die Tiere machten einen gesunden Eindruck, mit der Einschränkung, dass uns Erfahrungen - und damit auch der direkte Vergleich mit anderen Wüstenleguanen - fehlten. Die Eingewöhnung in die neue Umgebung erfolgte zügig. Es wurde alles begutachtet und beide Tiere hatten schnell ihren jeweiligen Lieblingsplatz gefunden. Bereits am zweiten Tag nahmen sie Nahrung zu sich. Von Beginn an zeigen beide Tiere keinerlei Scheu. Man konnte problemlos im Terrarium arbeiten (z.B. Sprühen, Essensreste entfernen) und ihnen dabei bis auf wenige Zentimeter nahe kommen. Sie blieben ruhig sitzen und beobachteten jede Bewegung. Beim Einstellen eines Futternapfes kamen sie auf den Napf zu und begannen bereits zu fressen, obwohl man den Napf noch in Händen hielt. Ein Versuch, ob er auch Nahrung aus der Hand aufnimmt, klappte bereits beim ersten Versuch.

Zunächst wurden die Tiere in einem Standard-Glas-Terrarium untergebracht, Länge 120cm, Breite 60cm, Höhe 60cm. Der sandige Bodengrund hatte eine Höhe von 10 bis 15 cm. Zahlreiche Steinaufbauten sorgen für die Kletter- und Versteckmöglichkeiten. Anfangs hatten wir mehre Äste eingebaut, die zum Klettern anregen und die Höhe des Terrariums ausnutzen sollten. Diese wurden so gut wie nie genutzt. Das Holz haben wir später reduziert zugunsten weiterer Steinaufbauten. Klettern und Verstecken "in Stein" scheint ihnen eher zu liegen als "Holz". Etwas weniger als 1/4 der Grundfläche wurde mit einem Sand-Erde-Gemisch (ca. 15-20 cm tief) ausgestattet. Diese Fläche war stets feuchter als der Rest des Terrariums. Dorthinein wurde ein Ficus Benjamini eingesetzt (Höhe ca. 40 cm). Schnell wurde diese Pflanze zum Lieblingsaufenthaltsort des Männchens. Er saß tagsüber oft, nachts zu 99% Prozent in der Krone und "faltet" er sich förmlich über einen Ast (siehe linkes Bild).



Dipsosaurus dorsalis Schlafplatz Ficus
Dipsosaurus dorsalis Immer aufmerksam



Das Terrarium ist Bestandteil einer "Terrarienwand" (Länge 350cm, Höhe 210cm, Tiefe 60 cm). Da der Rest des Raumes mit weiteren Terrarien ausgestattet wurde, ist eine ordentliche Grundwärme des Raumes gegeben, zusätzliche Wärme für die Wüstenleguane kommt von den benachbarten Terrarien.

Für die Wüstenleguane wurde eine UV-Röhre (Repti Glo 89,5 cm, 30 Watt) installiert und zusätzlich ein Wärmestrahler mit 60 Watt, der für lokale Temperatur bis ca. 45 Grad ausreicht. Damit entsteht ein Temperaturgefälle über Tage von ca. 30 Grad bis ca. 45 Grad, in den Versteckplätzen etwas niedriger. Ansonsten spielt die "echte Natur" ein wenig mit. Durch die Außeneinwirkung ist der Raum im Sommer natürlich wärmer als im Winter, was den jahreszeitlichen Wandel unterstützt. Im späten Herbst ziehen sich die Tiere auffällig zurück, das Interesse am Futter lässt spürbar nach. Klares Signal: Die Winterruhe steht an. Wir stellen dann das Futter über einen Zeitraum von ca. 2 Wochen nach und nach ein. Parallel wird die Dauer der Wärmelampe bis auf Null reduziert, später bleibt auch die UV-Lampe aus. Das Terrarium hat innerhalb dieser Ruhephase noch immer eine Durchschnittstemperatur von über 20 Grad. Das ist eigentlich etwas zu hoch, aber aufgrund der anderen Tiere im gleichen Raum momentan nicht anders möglich. Nach ca. 2 Monaten das ganze wieder Rückwärts. Das Becken wird täglich früh morgens gesprüht, das Sand-Erde-Gemisch etwas intensiver als der Rest. Ein Wassernapf ist vorhanden. Wir haben noch nie beobachtet, dass die Tiere diesen zum Trinken nutzen (lieber werden Steine oder andere Gegenstände abgeleckt). Trotzdem fördert er das Gesamtklima.

Ernährung Futter gibt es 3- bis 4-mal pro Woche, überwiegend Grünfutter. Im Sommer Löwenzahn, Klee, Blüten, Kräuter u. ä. aus dem Garten, im Winter eher Rucula und Feldsalat Ganzjährig gibt es Obst und Salatgurke. An tierische Kost werden Mehlwürmer bevorzugt. Heimchen und Grillen werden völlig ignoriert, ab und gönnt man sich eine kleine bis mittlere Stab- oder Heuschrecke. Als Vitaminzusatz wird Korvimin ZVT beigemischt.



Dipsosaurus dorsalisSehr beliebt ...
Dipsosaurus dorsalis... sind Heuschrecken



Die Aufzucht der Jungtiere ist unproblematisch. Nach einem kurzen Aufenthalt in einem Quaratänebecken werden die kleinen in einem eigenen Terrarium aufgezogen. Einrichtung und Ausstattung sind ähnlich dem Eltern-Terrarium. Das Verhalten und die Essgewohnheiten sind beinahe eine 1:1-Kopie der adulten Tiere. Sie wachsen eher langsam und unauffällig. Ihr Verhalten ist nicht spektakulär. Viel "Sonnenbaden", viel neugieriges Beobachten, viel Graben, aber keinerlei "Hektik", noch nicht einmal Kampf ums Futter. Im direkten Vergleich zu gleichaltrigen Bartagamen, Stachelleguanen oder Leopardgeckos müsste man sie beinahe schon als Langeweiler bezeichnen.



Dipsosaurus dorsalis Schlafplatz Kaktus



Mittlerweile hat sich unsere Gruppe auf 6 adulte Tiere vergrößert. 2 Männer und 4 Frauen bewohnen nun ein Terrarium mit einer Grundfläche von 250 x 150cm und einer Höhe von beinahe 200cm. Um die Höhe ausreizen zu können, wurde im hinteren Teil eine zweite Ebene eingebaut, die nochmals eine Grundfläche von etwa einem Quadratmeter bietet. Den bis zu 20 cm dicken lehmigen Sandboden nutzen die Tiere zum Graben von Höhlen. Das großzügige Umfeld bietet genügend Platz für weitere Wüstenexperten, zwei Schleuderschwanzagamen (Stellagama stellio picea). Große Kakteen sorgen für ein natürliches Habitat, großflächige Klettergerüste und Steinaufbauten bieten viel Abwechslung gute Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten für jedes einzelne Tier. Wüstenleguane sind bekannt für merkwürdig anmutende Schlafstellungen. Das Bild zeigt, dass selbst ein mit kräftigen Stacheln ausgerüsteter Kaktus als Nachtlager geeignet ist.