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Placozoa

Der Stamm Placozoa [GRELL, 1971]

Die im Durchmesser max. 3 Millimeter kleinen Tiere haben von allen mehrzelligen Tieren die einfachste Struktur. Sie besitzen einen flachen, scheibenförmigen Körper und erinnern an Amöben, u.a. durch die beständige Veränderung ihrer Form. Eine echte Körpersymetrie existiert nicht. Vorne, hinten, rechts oder links können nicht definiert werden. Lediglich Rücken- und Bauchseite lassen sich strukturell als auch funktionell unterscheiden. Ein "ausgewachsenes" Tier besteht aus bis zu 1000 Zellen, die sich aus 4 verschiedenen Zelltypen zusammensetzen.

Einzige bekannte Art der Placozoa ist:

  • Trichoplax adhaerens [SCHULZE, 1883]

Entdeckt wurde diese Art 1883 von Franz Eilhard Schulze im Meerwasser-Aquarium des Zoologischen Instituts in Graz. In einem natürlichen Lebensraum konnte Trichoplax adhaerens bisher nicht nachgewiesen werden. Lange Zeit wurden sie für Jugendstadien von Nesseltieren gehalten. Die 1893 von Monticelli beschriebene Art Trichoplax reptans gilt seit 1896 als verschollen. Ihre Existenz wird angezweifelt.

Interessant ist die Vermutung, dass Placozoa kurz nach dem evolutionären Einzeller-Vielzeller-Übergang entstanden sind. Damit wären sie älter als die vermeintlichen Rekordhalter Porifera (Schwämme).

Darüber hinaus gibt es weitere faszinierende Erkenntnisse:

  • Selbst aus kleinsten Zellbeständen können sich die Tiere regenerieren. Trennt man die einzelnen Zellen finden sie im Reagenzglas wieder zu einem kompletten Organismus zusammen. Werden mehrere Tiere zertrennt und vermischt, entstehen auch hier wieder komplette Organismen, wobei die es passieren kann, dass Zellen eines bestimmten Tieres jetzt Teil eines anderen sind.
  • Placozoa können sich nahezu unbegrenzt durch ungeschlechtliche Fortpflanzung klonen. Damit ist ihre Lebensspanne potentiell unendlich. Versuche in der Praxis führen verschiedene Entwicklungslinien seit 20 Jahren ohne das Auftreten sexueller Prozesse. Sie gehen allesamt auf ein einziges Tier zurück.

 

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