Der Wüstenleguan

Aufzucht und Haltung von Wüstenleguanen (Dipsosaurus dorsalis)

Das Verbreitungsgebiet der Wüstenleguane erstreckt sich vom Südosten Kaliforniens über Arizona bis in die mexikanischen Bundesstaaten Sonora und Sinaloa. Als Bewohner karger Wüsten und Halbwüsten kommen sie mit Temperaturen von deutlich über 40°C bestens zurecht.

Die Tiere werden bis zu 40 cm groß. Sie ernähren sich vorwiegend vegetarisch von Blüten und Blättern, in Steppen und Wüsten auch von Büschen, Gräsern oder Sträuchern. Gefressen werden auch Insekten und sogar Aas. Ihre natürliche Feinde sind Greifvögel, Kojoten und Schlangen. Bei Gefahr können die Wüstenleguane auf den Hinterbeinen so schnell davonlaufen, dass sie Angreifern entkommen. Ihre Lebenserwartung in freier Natur liegt bei 10-15 Jahren.


Erfahrungsbericht


Wüstenleguane beim Fressen Wüstenleguane beim Fressen Wüstenleguan im Terrarium auf der Jagd

Unser erstes adultes Pärchen haben wir im Januar 2004 erhalten. Der Vorbesitzer konnte keine exakten Angaben zum Alter machen. Er wusste lediglich, dass bereits einmal Eier abgelegt wurden. Mit welchem Erfolg war uns nicht bekannt. Kotuntersuchungen zeigten keine Beanstandungen. Die Tiere machten einen gesunden Eindruck, mit der Einschränkung, dass uns Erfahrungen - und damit auch der direkte Vergleich mit anderen Wüstenleguanen - fehlten. Die Eingewöhnung in die neue Umgebung erfolgte zügig. Es wurde alles begutachtet und beide Tiere hatten schnell ihren jeweiligen Lieblingsplatz gefunden. Bereits am zweiten Tag nahmen sie Nahrung zu sich. Von Beginn an zeigen beide Tiere keinerlei Scheu. Man konnte problemlos im Terrarium arbeiten (z.B. Sprühen, Essensreste entfernen) und ihnen dabei bis auf wenige Zentimeter nahe kommen. Sie blieben ruhig sitzen und beobachteten jede Bewegung. Beim Einstellen eines Futternapfes kamen sie auf den Napf zu und begannen bereits zu fressen, obwohl man den Napf noch in Händen hielt. Ein Versuch, ob er auch Nahrung aus der Hand aufnimmt, klappte bereits beim ersten Versuch.

Zunächst wurden die Tiere in einem Standard-Glas-Terrarium untergebracht, Länge 120cm, Breite 60cm, Höhe 60cm. Der sandige Bodengrund hatte eine Höhe von 10 bis 15 cm. Zahlreiche Steinaufbauten sorgen für die Kletter- und Versteckmöglichkeiten. Anfangs hatten wir mehre Äste eingebaut, die zum Klettern anregen und die Höhe des Terrariums ausnutzen sollten.

Schlafplatz Ficus Diese wurden so gut wie nie genutzt. Das Holz haben wir später reduziert zugunsten weiterer Steinaufbauten. Klettern und Verstecken "in Stein" scheint ihnen eher zu liegen als "Holz". Etwas weniger als 1/4 der Grundfläche wurde mit einem Sand-Erde-Gemisch (ca. 15-20 cm tief) ausgestattet. Diese Fläche war stets feuchter als der Rest des Terrariums. Dorthinein wurde ein Ficus Benjamini eingesetzt (Höhe ca. 40 cm). Schnell wurde diese Pflanze zum Lieblingsaufenthaltsort des Männchens. Er saß tagsüber oft, nachts zu 99% Prozent in der Krone und "faltet" er sich förmlich über einen Ast.

Das Terrarium ist Bestandteil einer "Terrarienwand" (Länge 350cm, Höhe 210cm, Tiefe 60 cm). Da der Rest des Raumes mit weiteren Terrarien ausgestattet wurde, ist eine ordentliche Grundwärme des Raumes gegeben, zusätzliche Wärme für die Wüstenleguane kommt von den benachbarten Terrarien. Für die Wüstenleguane wurde eine UV-Röhre (Repti Glo 89,5 cm, 30 Watt) installiert und zusätzlich ein Wärmestrahler mit 60 Watt, der für lokale Temperatur bis ca. 45 Grad ausreicht. Damit entsteht ein Temperaturgefälle über Tage von ca. 30°C bis ca. 45°C, in den Versteckplätzen etwas niedriger. Ansonsten spielt die "echte Natur" ein wenig mit. Durch die Außeneinwirkung ist der Raum im Sommer natürlich wärmer als im Winter, was den jahreszeitlichen Wandel unterstützt.

Im späten Herbst ziehen sich die Tiere auffällig zurück, das Interesse am Futter lässt spürbar nach. Klares Signal: Die Winterruhe steht an. Wir stellen dann das Futter über einen Zeitraum von ca. 2 Wochen nach und nach ein. Parallel wird die Dauer der Wärmelampe bis auf Null reduziert, später bleibt auch die UV-Lampe aus. Das Terrarium hat innerhalb dieser Ruhephase noch immer eine Durchschnittstemperatur von über 20°C. Das ist eigentlich etwas zu hoch, aber aufgrund der anderen Tiere im gleichen Raum momentan nicht anders möglich. Nach ca. 6 bis 8 Wochen deuten sich die ersten Anzeichen für das Ende der Winterruhe an. Die Tiere lassen sich wieder sehen, zunächst nur selten und nur für wenige Minuten, später mehrfach am Tag.  Schrittweise werden Helligkeit und Temperatur erhöht und auch das Nahrungsangebot wird langsam wieder auf das gewohnte Niveau erweitert.

Das Becken wird täglich früh morgens gesprüht, das Sand-Erde-Gemisch etwas intensiver als der Rest. Ein Wassernapf ist vorhanden. Wir haben noch nie beobachtet, dass die Tiere diesen zum Trinken nutzen (lieber werden Steine oder andere Gegenstände abgeleckt). Trotzdem fördert er das Gesamtklima. Wüstenleguane sind bekannt für merkwürdig anmutende Schlafstellungen. Das Bild zeigt, dass selbst ein mit kräftigen Stacheln ausgerüsteter Kaktus als Nachtlager bestens geeignet ist.

Schlafplatz KaktusErnährung Futter gibt es 3- bis 4-mal pro Woche, überwiegend Grünfutter. Im Sommer Löwenzahn, Klee, Blüten, Kräuter u. ä. aus dem Garten, im Winter eher Rucula und Feldsalat Ganzjährig gibt es Obst und Salatgurke. An tierische Kost werden Mehlwürmer bevorzugt. Heimchen und Grillen werden völlig ignoriert, ab und gönnt man sich eine kleine bis mittlere Stab- oder Heuschrecke. Als Vitaminzusatz wird Korvimin ZVT beigemischt.

Mittlerweile hat sich unsere Gruppe auf 6 adulte Tiere vergrößert. 2 Männchen und 4 Weibchen bewohnen nun ein neues Terrarium mit einer Grundfläche von 250 x 150cm und einer Höhe von beinahe 200cm. Um die Höhe ausreizen zu können, wurde im hinteren Teil eine zweite Ebene eingebaut, die nochmals eine Grundfläche von etwa einem Quadratmeter bietet.

Das großzügige Umfeld bietet genügend Platz für weitere Wüstenexperten, zwei Schleuderschwanzagamen (Stellagama stellio picea). Große Kakteen sorgen für ein natürliches Habitat, großflächige Klettergerüste und Steinaufbauten bieten viel Abwechslung gute Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten für jedes einzelne Tier. Den bis zu 20 cm dicken lehmigen Sandboden nutzen die Tiere zum Graben von Höhlen.

Grabungsexperte Grabungsexperte Tunnelbauer Tunnelbauer

 


Nachzuchten


Paarung Paarung Das Gelege, bestehend aus 6 Eiern Ein Jungtier schlüpft

Im Juli 2004 konnten wir bei unseren Wüstenleguanen mehrere Paarungen beobachten. Daher keimte Hoffnung auf, dass wir erstmalig eigenen Nachwuchs erwarten dürfen. Nach einiger Zeit glaubten wir, beim einem der Weibchen leichte "Beulen" an den Flanken erkennen zu können. Sollten das die ersten Anzeichen für Eier sein? In der Nacht vom 06. auf den 07. August 2004 hat sie sich eingegraben und blieb einige Stunden verschwunden. Erst am nächsten Tag haben wir sie wieder gesehen und sie sah merklich dünner aus. Das war ein klares Zeichen, sie hat Eier gelegt. Die Stelle, an der sich das Weibchen ein- und wieder ausgegraben hat, war gut zu erkennen. Nur, dort waren keine Eier. Das Gelege war derart gut getarnt, dass wir die genaue Ablagestelle lange suchen mussten. Vorsichtig arbeiteten wir uns Zentimeter für Zentimeter durch den Sand, bis wir die Eier fanden. Sie lagen mehr als 20 cm vom Ein- und Ausstieg entfernt.

 

19.05 Uhr: Das Ei zeigt leichte Deformationen 20.40 Uhr: Das Ei ist jetzt offen 23.00 Uhr: Der Kopf liegt frei 00.45 Uhr: Das Jungtier hat die Eihülle vollständig verlassen

Das erste von 6 Jungtieren schlüpfte nach 82 Tagen. Die Inkubationstemperatur betrug zwischen 26 und 28 Grad. Die Bilder zeigen den zeitlichen Ablauf des Schlüpfens, der sich über mehrere Stunden hinzog. Ein gewaltiger Kraftakt für jedes Jungtier:

  • 19.05 Uhr: Das Ei zeigt leichte Deformationen
  • 20.40 Uhr: Das Ei ist jetzt offen
  • 23.00 Uhr: Der Kopf liegt frei
  • 00.45 Uhr: Das Jungtier hat die Eihülle vollständig verlassen

 

Jungtiere im Quarantänebecken Jungtiere unter der Wärmelampe Jungtier Jungtiere

Die jungen Wüstenleguane blieben 3 Tage in einem Quarantänebecken. Jedes Jungtier wurde von uns gewogen und gemessen. Sie sind im Schnitt 4 Gramm leicht bei einer durchschnittlichen Gesamtlänge von 13 cm. Wir füttern sie hauptsächlich vegetarisch. Das anfängliche Interesse an Buffalos und kleinen Stabschrecken hat schnell nachgelassen. Sie zeigen deutlich mehr Sympathie für Blüten und Blätter. Insgesamt sind die jungen Tiere sehr ruhig und sehr entspannt. Selbst beim Öffnen des Terrariums bleiben sie ruhig sitzen und beobachten interessiert, was jetzt wohl passiert. Gibt's was zu essen? Wird endlich mal wieder die Scheibe geputzt? Werden die Kotreste entfernt? Nach unseren Erfahrungen sind die Wüstenleguane nach etwa 2 Jahren geschlechtsreif.