Riviera Maya, Mexiko

Die heiligen Stätten der Mayas in Chichén Itzá und die Festungsstadt Tulum

WappenWas darf man von einem fremden Land erwarten, das eine Schlange im Staatswappen führt? Ein Paradies für Schlangen? Oder ein Paradies für die, die Schlangen sehen wollen? Das wollten wir genauer wissen. Also Zahnbürste, Kamera und jede Menge FlashCards eingepackt, nach Frankfurt zum Flieger und nach ca. 11 Stunden Flugzeit waren wir vor Ort. Zahlreiche Riesenschlangen gab's bereits bei der Zollkontrolle und beim Gepäck.
Mexikos Staatswappen mit Adler und Schlange bezieht sich auf eine Legende der Azteken. Die Götter hatten prophezeit, dass sie einen Adler auf einem Kaktus erblicken, der eine Schlange zwischen Krallen und Schnabel hält. Genau dort sollten sie ihr Reich gründen. So entstand die Aztekenhauptstadt Tenochtitlán und daraus das heutige Mexiko City. Mexiko, offizielle Bezeichnung "Vereinigte Mexikanische Staaten" (Estados Unidos Mexican) ist mit 1,9 Millionen km² etwa 5 mal so gross wie Deutschland. Die Einwohnerzahl wird mit knapp 100 Millionen angegeben, davon mehr als 1/5 im Großraum der Hauptstadt Mexiko City.

Historische Bauten
Beeindruckende historische Bauten

Strand
Fantastische Strände

Meereschildkröten
Meereschildkröten in der ...

Meereschildkröten
... Aufzuchtstation von XCaret


Die Reise führte uns an die Riviera Maya im Bundesstaat "Quintana Roo". Der etwa 140 Kilometer lange Küstenstreifen bietet eine geniale Vielfalt. Die Natur mit großzügigen Sandstränden und faszinierenden Urwäldern, dazu das 485.000 ha umfassende Naturreservat Sian Ka'an, und das Große Mayariff, immerhin das zweitgrößte der Welt. Nicht zu unterschätzen kulturelle Aspekt, wie die beeindruckenden Anlagen der Mayas mit ihren Palästen, Pyramiden, Opferstätten und Ballspielplätzen. Neben Tulum, der einzig bekannten Festungsstadt der Mayas, die direkt am Meer liegt besuchten wir auch Chichén Itzá, der heiligen Stätte der Maya.

Die Artenvielfalt ist beachtlich. Mittelamerika gilt als Schmelztiegel der Tierwelt, seit im Pliozän (vor etwa 3 bis 5 Millionen Jahren) Wölfe, Coyoten, Schwarzbären und Biber aus dem Norden sowie Jaguare, Pumas und Affen aus dem Süden einwanderten und dort auf die bereits heimischen Arten wie Ozelot, Dachs und Otter trafen. Neben Vögeln, Schmetterlingen, Insekten (u.a. die bissigen Ameisen und die ständig nervenden Moskitos) und der maritimen Fauna an den Küsten, ist Mexiko ein Paradies für Reptilien und Amphibien mit Leguanen, Schildkröten, Fröschen, Kröten, Axolotl und Schlangen. Mexiko gilt mit 705 verschiedenen Schlangen als das artenreichste Land der Welt.

Ctenosaura similis
Schwarzer Leguan auf einer Baustelle

Ctenosaura similis
Schwarzer Leguan am Strand

Ctenosaura similis
Schwarzer Leguan am Strand

Ctenosaura similis
Schwarzer Leguan


Schwarze Leguane (Ctenosaura similis) sind in Mexiko häufig anzutreffen. Sie haben eine graue Körperfärbung mit schwarzen Querbändern. Die Männchen erreichen eine Gesamtgröße vom 120 cm, die Weibchen sind etwas kleiner und weniger kräftig. Ihr natürlicher Lebensraum dehnt sich nach Süden über Costa Rica bis Panama aus. Sie bevorzugen die Baumkronen in lichten Wäldern, sind aber speziell im nördlichen Teil der Rivierea Maya in nahezu allen Parks und parkähnlichen Anlagen zu finden. Der Grund ist einleuchtend: Dort ist ihr natürlicher Lebensraum zugunsten des Tourismus erheblich eingeschränkt und sie müssen auf alternative Lebensräume ausweichen. So verwundert es auch nicht, dass sie auf Baustellen zu sehen sind, zumeist dort, wo der Baumbestand kürzlich gerodet wurde um Hotel- und Freizeiteinrichtungen zu erschaffen.

Croco Cun Zoo

Croco Cun Zoo

Croco Cun Zoo

Croco Cun Zoo


Etwa 30 km südlich von Cancun ist der Croco Cun Zoo. Es ist ein kleiner Zoo mit einheimischen Tieren, wie zum Beispiel Grünen und Schwarzen Leguane, Schlangen, Affen, Hirschen, Schildkröten und Papageien. Im Mittelpunkt stehen aber die beiden heimischen Krokodile Crocodylus acutus (Spitzkrokodil) und Crocodylus moreletii (Beulenkrokodil).

Der Zoo hat es sich zur Aufgabe gemacht, Krokodile nachzuzüchten und auszuwildern, verbunden mit einer umfassenden Öffentlichkeitsarbeit. Die Besucher werden in Kleingruppen durch den Zoo geführt und haben die Chance, viele Informationen über Körperbau und Verhaltensweisen der Krokodile zu lernen. Eine wichtige Arbeit, denn der Lebensraum der frei lebenden Tiere, wie z.B. die etwa 4.000 in der Lagune von Cancun, wird zunehmend eingeschränkt. Mit dem wachsendem Tourismus nehmen auch die für beide Seiten unangenehmen Begegnungen von Mensch und Krokodil zu. So werden z.B. durch Motorboote oder Jet Skis verletzte Tiere medizinisch versorgt und "auffällige" Tiere verwahrt.

Während unseres Besuches waren zwei "auffällige" Kandidaten anwesend. Ein Tourist wollte Krokodile mit Essensresten füttern. Ein Tier schnappte zu. Ein Teil des Armes fehlte anschließend. Ein zweiter Tourist konnte der Versuchung nicht widerstehen, unmittelbar neben einem Krokodil ins Wasser zu pinkeln. Anschließend fehlte ein Teil seines Oberschenkels. Richtig klasse fand unser Guide die Idee, künftig nicht die Krokodile sondern die Touristen als "auffällig" einzustufen und hier zu verwahren.

Chichén Itzá

Chichén Itzá war rund 700 Jahre lang eine heilige Stätte der Maya. Das archäologische Gebiet umfasst ca. 8km², wobei heute nur ein Teil der Gebäude freigelegt wurde. Von der UNESCO wurde Chichén Itzá zum Kulturerbe der Menschheit erklärt. Vermutlich wurde Chichén Itzá um 450 n. Chr. von aus dem Süden zugewanderten Mayastämmen gegründet. Im 7. oder 8. Jahrhundert sind Stämme der Tolteken aus dem zentralmexikanischen Hochland eingewandert. Es fand eine Verschmelzung beider Kulturen statt, was auch die Vorherrschaft toltekischen Stilelemente begründet. Wahrscheinlich wurde Chichén Itzá um 1250 verlassen. Die einstige heilige Stätte der Maya ist heute ein UNESCO Kulturerbe der Menschheit.

Überragendes Gebäude ist die 30 Meter hohe Pyramide des Kukulkàn. An der nach Norden zeigenden Treppe ist eine gefiederte Schlange zu sehen, die bei den Maya "Quetzalcoatl" genannt wurde. Sie gilt als die Herrscherin über Himmel und Erde und als das Wahrzeichen des obersten Gottes Kukulkàn. Die Pyramide ist streng nach den toltekischen Himmelsvorstellungen gebaut. Ein möglicher Erklärungsversuch sagt, dass die 4 Seiten die 4 Himmelsrichtungen beschreiben. Die 4 x 91 Stufen (=364) plus die letzte Stufe (= insgesamt 365) ergeben die Anzahl Tage eines Jahres.

Der Tempel der Venus (Platforma de Venus)
Der Tempel der Venus
(Platforma de Venus)

Die Pyramide des Kukulkàn (El Castillo)
Die Pyramide des Kukulkàn
(El Castillo)

Der Tempel der Krieger (Templo de los Guerreros)
Der Tempel der Krieger
(Templo de los Guerreros)


Insgesamt wurden in Chichén Itzá 7 Ballspielplätze gefunden, der größte mit einem Spielfeld von 146m x 27m. Das tödliche Ballspiel (Pelota) war ein rituelles, kein sportliches Ereignis. Es symbolisiert den Kampf der Sonne gegen den Mond, des Tages gegen die Nacht, der Götter der Unterwelt (Dunkelheit und Tod) gegen die Götter des Himmels (Sonne und Mond). Solange sich die Gestirne bewegen (= solange der Ball im Spiel bleibt), ist die Existenz des Universums gesichert.

In einer weit verbreiteten Variante des Spiels waren zwei Teams zu je 3 bis 5 Spielern beteiligt. Jede spielte auf einer Hälfte des Platzes. Von einem Ende des Spielfeldes wurde der Ball aus der Hand gespielt, anschließend durfte der Ball nur mit Knie, Gesäß und Hüfte berührt werden. Der Ball sollte den Boden möglichst nicht berühren, sonst wäre der symbolische Lauf der Sonne am Firmament unterbrochen. Punkte für den jeweiligen Gegner gab es, falls der Ball nicht aufgefangen werden konnte oder gegen die Mauer geschlagen wurde. In über 7 Meter Höhe befanden sich Steinringe. Ging der Ball durch diesen Ring, gab das besonders viele Punkte.

Bis heute ist nicht sicher, ob die Verlierer des Spieles geopfert wurden (um ihre Tat zu büßen) oder die Sieger (nur das Beste für die Götter) - oder beide.

Tempel des Jaguars und die Außenmauern des Ballspielplatzes
Der Tempel des Jaguars und
die Außenmauern des Ballspielplatzes

Ausblick von El Castillo
Ausblick von El Castillo auf den Tempel des Jaguars und
den dahinter liegenden Ballspielplatz (Juego de Pelota)

Opferbrunnen (Cenote sagrado)
Opferbrunnen
(Cenote sagrado)


Neben den zahlreichen imponierenden Gebäuden hinterlässt der kreisrunde Opferbrunnen einen bleibenden Eindruck: 60m Durchmesser, 82m tief. Neben seiner Funktion als Brunnen wurde er in Trockenzeiten als Opferstätte genutzt. Wertvolle Gegenstände und lebende Menschen wurden in den Brunnen geworfen um speziell den Regengott Chac positiv zu stimmen. Im Rahmen der Ausgrabungs- und Forschungsarbeiten wurden über 4000 Objekte und zahlreiche Skelette gefunden, hauptsächlich von Männern und Kindern.

Tulum

Tulum liegt rund 130 Kilometer südlich von Cancún und ist die einzig bekannte Festungsstadt der Mayas, die direkt am Meer liegt. Tulum (übersetzt: die Mauer) wurde auf einer 12 Meter hohen Klippe errichtet. Markantes Merkmal der um 1200 gegründeten Siedlung ist die ursprünglich 7 Meter breite und bis zu 5 Meter hohe Mauer, die die drei zum Land weisenden Seiten sichert. An der Längsseite ist sie 380 Meter lang, an den beiden Kopfseiten jeweils ca. 165 Meter. Der archäologisch bedeutsamste Bau ist der Templo de los Frescos (Freskentempel). Er wurde vermutlich um 1450 errichtet und im Laufe der Zeit mehrfach überbaut. Das Gebäude ist ausgestattet mit zahlreichen Stuckskulpturen, Reliefmasken, Fresken und Wandmalereien.

Castillo
Blick auf das Castillo und
auf das Meer

Innenhof
Recinto Interior (Innenhof)
mit Treppe zum Tempel

Templo de los Frescos
Der Freskentempel
(Templo de los Frescos)

Schlossherr
Der stolze Schlossherr

Das größte und auffälligste Gebäude ist das Castillo. In nördlicher Richtung schließt sich der Tempel des herabstürzenden Gottes (Templo del Dios Descendante) an, im Süden der Tempel der frühesten Jahreszahl (Templo de la Serie Inicial). Über die Geschichte von Tulum ist nicht allzu viel bekannt. Ursprünglicher gaben die Maya ihrem Ort den Namen "Zama" (Morgenröte oder Morgendämmerung). Als eine spanische Expedition unter Juan de Grijalva um 1518 die Festung entdeckten, war diese noch bewohnt. Vermutlich endete die Besiedelung mit der Eroberung durch die Spanier im Jahre 1544.

Tulum erreichte wohl nie eine besondere Bedeutung. Die Art der Bebauung lässt vermuten, dass es keine reine Kultstätte war, sondern auch Wohnbezirke beinhaltete. Das Castillo könnte auch eine Art Leuchtturm gewesen sein. In den zum Meer gerichteten Fenstern ließen die Maya des Nachts Feuer brennen, um Schiffen die Durchfahrt durch das Riff zu erleichtern.

 

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