Pferde und Pferdemuseum
Das Westfälische Pferdemuseum
Auf dem Gelände des Allwetterzoos, nicht weit vom Haupteingang, befindet sich das Westfälische Pferdemuseum. Der Besuch des Museums, einschließlich der Sonderausstellungen und der Pferdeshows ist im Zooeintritt enthalten. Das Pferdemuseum setzt sich zusammen aus einem großen Foyer, einer 1.000 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche und der Arena Hippomaxx, in der regelmäßig Pferdeshows und andere Veranstaltungen stattfinden. Außerdem gibt es einen Kinder- und Pferdepark, in dem verschiedene Pferderassen leben.
Die Dauerausstellung trägt den Titel "Von Pferden und Menschen in Westfalen" und beschäftigt mit unterschiedlichen Aspekten der Natur- und Kulturgeschichte des Pferdes in Westfalen. Warum und wie veränderten sich Aussehen und Lebensweise der Pferde im Laufe der Jahrmillionen? Wie entwickelte sich die Beziehung zwischen Mensch und Pferd? Was zeichnet ein optimales Pferd aus? Weitere Themen: Besonderheiten der Pferdeanatomie, Pferde im Sport, Pferde in der Kunst, Pferde im Zirkus, auf dem Feld, im Krieg und unter Tage. Nachfolgend eine kleine Auswahl von Exponaten aus der Ausstellung.

Skelett von Eurohippus parvulus
Eurohippus ist eine ausgestorbene Gattung der Unpaarhufer und ein früher Verwandter der heutigen Pferde. Die Datierungen reichen zurück in das Mittlere und Obere Eozän, also vor etwa 34 bis 48 Millionen Jahren. Mit Eurohippus messelensis und Eurohippus parvulus werden zwei Arten unterschieden. Die Tiere lebten im mittleren und westlichen Europa. Daraus leitet sich die Bezeichnung Eurohippus ab, "Euro" für Europa und "hipppus" für Pferd. Ihre Schulterhöhe von Eurohippus lag bei 30 bis 35 cm, das Körpergewicht wird auf 5 bis 6,5 Kilogramm geschätzt. Sie ernährten sich überwiegend blattfressend. Das Skelett von Eurohippus parvulus wurde 1985 in der Grube Messel gefunden.
Polydor (1972- 2000) war ein Westfälische Reitpferd, das für seine auszeichneten Gene bekannt wurde. Es gibt mehr als 1.000 registrierte Nachkommen. Er gilt als einer der erfolgreichsten Zuchthengste aller Zeiten. 1998 und 1999 führte er die Weltrangliste der Springpferdevererber an und trug den Titel „Sire of the World“.
Der gelbe Postwagen wurde in ein- oder zweispänniger Ausführung zwischen 1880 und 1925 hergestellt. Er war ursprünglich in Dortmund im Einsatz. Die Basis des Wagens ist original, der Aufbau wurde durch spätere Restaurierungen mit einigen Ergänzungen leicht verändert. In Münster verwendete man noch bis 1927 Pferdewagen im Ortspostverkehr. 1935 wurden sie durch Kraftwagen ersetzt.
Mit dem Kutschen-Simulator können Besucher auf dem Kutschbock einer Wagonette wahlweise eine gemütliche Kutschfahrt über Wiesen und Brücken oder eine Fahrt durch einen Hindernis-Parcours unternehmen. Eine Wagonette (wörtlich: ein kleiner Wagen) ist ein Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelter offener gefederter Pferdewagen. Hinter der Fahrersitzbank befinden sich zwei gegenüberliegende Sitzbänke.
Auch in der Kunst hat das Pferd schon längst einen festen Platz gefunden. Die ersten Spuren finden sich bereits in den prähistorischen Höhlen von Lascaux in Frankreich. Vor rund 17 000 Jahren malten Menschen dort Pferde an die Felswände. Diese frühen Werke zeigen, wie bedeutend das Pferd schon damals für die Menschheit war. Die drei Gemälde aus dem Museum sind deutlich jünger, aber nicht weniger beeindruckend.
"Whistlejacket" ist ein lebensgroßes Pferdeportrait. Es wurde 1762 von George Stubbs in Öl auf Leinwand gemalt. Stubbs gilt als einer der bedeutendsten europäischen Maler von Tieren und insbesondere von Pferden. Er verfügte über perfekte Kenntnisse der Pferdeanatomie. Whistlejacket gewann 1759 das Vier-Meilen-Rennen in York. Sein Besitzer, Marquis von Rockingham, beauftragte Stubbs, nur das Portrait des Pferdes zu erstellen. Andere Maler sollten einen Landschaftshintergrund und Georg III, von 1760 bis 1801 König von Großbritannien und Irland, als Reiter hinzufügen. Das Portrait gefiel dem Marquis so gut, dass er entschied, auf die Ergänzungen zu verzichten. Im Pferdemuseum ist eine Kopie zu sehen, das Original befindet sich in der National Gallery in London.
"Bonaparte franchissant le Grand-Saint-Bernard" beschreibt den Übergang Napoléons über die Alpen am Großen Sankt Bernhard, einige Wochen vor seinem Sieg über österreichische Truppen bei Marengo während des Zweiten Koalitionskrieges (1799–1802). Das Gemälde stammt vom französischen Historienmaler Jacques-Louis David (1748-1825) und wurde von ihm zwischen 1800 und 1802 in fünf Versionen erstellt. Wer genau das Bild in Auftrag gab, ist nicht sicher. Eine Hypothese besagt, Napoléon selbst soll ein Gemälde zur Erinnerung an den glorreichen Sieg gewünscht haben. Auch der spanische König Karl IV. kommt als Auftraggeber infrage. Das Gemälde gehört zur Gattung der Herrscherportraits zu Pferde, die auf die antiken kaiserlichen Reiterstatuen Roms zurückgehen. Mit der historischen Realität hat das Gemälde wenig gemein. Tatsächlich hatte Napoléon die Alpen nicht auf einem Pferd überquert, sondern auf einem Maultier, das von einem Bergführer gelenkt wurde. Die Beförderung der Kanonen hat ebenfalls nicht so stattgefunden, wie es das Gemälde zeigt. Die Geschütze wurden zerlegt, die Lafetten auf Maultiere gespannt und die Rohre in ausgehöhlten Baumstämmen verpackt von jeweils 100 Mann den Berg hinaufgezogen.
"Die Bekehrung des Saulus zum Paulus" stammt im Original von Peter Paul Rubens (1577-1640). Es entstand in den Jahren 1601/1602. Dieses Bild wurde vermutlich um 1700 nach einer Vorlage des Kupferstiches von Hecquet angefertigt. Dargestellt ist jener Moment, in dem Saulus, ein griechisch gebildeter Jude, römischer Bürger und Verfolger der frühen Christen, auf der Straße nach Damaskus von seinem scheuenden Pferd abgeworfen wird. Geblendet vom Licht des Himmels und angesprochen durch die Stimme Gottes, wurde Saulus zum Christen und nahm den Namen Paulus an.
Pferde im Allwetterzoo
Equidae, die Familie der Pferde, war ursprünglich eine sehr umfangreiche Gruppierung. Ihre Stammesgeschichte begann vor rund 56 Millionen Jahren. Heute ist nur noch die Gattung Equus übrig geblieben. Dazu zählen die Wildpferde, die Wildesel und die Zebras. Nachfolgend einige Vertreter der Equus im Allwetterzoo.

Przewalski-Pferd
(Equus ferus przewalski)

Przewalski-Pferde
(Equus ferus przewalski)

Przewalski-Pferde
(Equus ferus przewalski)
Das Przewalski-Pferd besiedelte einst einen größeren Teil der eurasischen Steppenlandschaften. Es ist nach dem russischen Expeditionsreisenden Nikolai Michailowitsch Pržewalski (1839–1888), der das bis dahin unbekannte Pferd auf einer seiner Expeditionen nach Zentralasien entdeckte. Die Erstbeschreibung erfolgte 1881 durch von Iwan Semjonowitsch Poljakow. Als besondere äußere Kennzeichen gelten der kompakte Körperbau, die relativ dunkle Fellfärbung und die Stehmähne. Przewalski-Pferde besitzen 33 Chromosomenpaare, das Hauspferd 32, ein Indiz dafür, dass das Przewalski-Pferd kein verwildertes Hauspferd ist. Diese These wankte, als man herausfand, dass die Hauspferde der 5.000 Jahre alten Botai-Kultur in Zentralasien näher mit den Przewalski-Pferden verwandt sind als mit den Wildpferden. Demnach könnten die Przewalski-Pferde die verwilderten Nachkommen der domestizierten Botai-Pferde sein. Möglich ist aber auch, dass sich beide unabhängig voneinander entwickelt haben. Aus diesem Grund sehen einige Taxonomen das Przewalski-Pferd als eigene Art (Equus przewalskii), andere als Unterart des Wildpferdes (Equus ferus przewalskii) oder als Variante des domestizierten Pferdes (Equus ferus caballus).
Zum Zeitpunkt seiner wissenschaftlichen Beschreibung war das Przewalski-Pferd bereits sehr selten. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges gab es nur rund 30 Individuen in menschlicher Obhut, lediglich im Prager Zoo und im Tierpark Hellabrunn in München kamen noch Fohlen zur Welt. Durch engagierte Zuchtprogramme konnte das Überleben des Przewalski-Pferdes jedoch bis heute gesichert werden. In mehreren Initiativen wird versucht, das Przewalski-Pferd erneut in der freien Wildbahn zu etablieren.

Mongolenpony
(Equus ferus f. caballus)

Böhm-Steppenzebras
(Equus quagga boehmi)

Böhm-Steppenzebras
(Equus quagga boehmi)
Mongolenponys, auch Mongolische Pferde genannt, sind eine sehr ursprüngliche Hauspferderasse. Ihre Wildform ist das Przewalski-Pferd. Das Mongolische Pferd ist sehr genügsam, extrem kräftig und ausdauernd. Es überlebt auch unter härtesten Bedingungen in der Grassteppe, im Hochgebirge und in der Wüste. Mit seinem sicheren Tritt im Gelände bewältigt das zähe Pferd mühelos schlechte Wege und weite Strecken. Die meisten Pferde werden in der Mongolei frei laufend gehalten, nur die Reittiere werden eingefangen und angebunden.
Die Zebras kommen ausschließlich in Afrika vor. Es weden drei Arten unterschieden, Grevyzebras (Equus grevyi), Bergzebras (Equus zebra) und Steppenzebras (Equus quagga). Deutliches Merkmal der Zebras ist das schwarz-weiße Streifenmuster, dessen Funktion bisher nicht vollständig geklärt ist. Die Vermutung, sie könnten im hohen Gras oder bei heißer, flimmernder Luft als Tarnung vor Beutegreifern wirken, hat sich nicht bestätigt. In einer Entfernung, in der das Streifenmuster optisch erkennbar wäre, hätten Raubtiere die Beute bereits gewittert und gehört. Eine andere Theorie besagt, dass die Streifen vor Tsetsefliegen und Bremsen schützen, da diese mit ihren Facettenaugen die Zebras nicht wahrnehmen. Allerdings konnte gezeigt werden, dass die Tsetsefliegen Zebras auch wegen des Hautgeruchs meiden. Möglicherweise dienen die Streifen der Thermoregulation. Untersuchungen an Tieren in Kenia ergaben, dass sich das Fell der Zebras während der heißen Tagesphase unterschiedlich stark aufheizt, wobei schwarzen Streifen im Vergleich zu den weißen Streifen um 12 bis 15 °C höhere Temperaturen aufweisen. Durch das starke Temperaturgefälle entstehen lokal chaotische Luftwirbel. Da Zebras wie alle Pferde schwitzen, erhöht dies möglicherweise die Wärmeableitung durch Verdunstung des Oberflächenwassers.

Shetlandpony
(Equus ferus f. caballus)

Zwergesel
(Equus africanus f. asinus)

Poitou-Esel
(Equus africanus f. asinus)
Das Shetlandpony stammt von der Inselgruppe der Shetlandinseln. Die ersten Pferde wurden vermutlich von den Picten eingeführt, die seit etwa 500 vor Christus nach Schottland kamen. Aufgrund der ungünstigen Klima- und Bodenverhältnisse auf den Shetlandinseln fand eine Auslese statt, die zu kleinen widerstandsfähigen Ponys führte. Die Tiere wurden während der industriellen Revolution ab der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf das britische Festland gebracht und dort im Bergbau unter Tage als Grubenponys eingesetzt. Im Verhältnis zu ihrer Körpergröße gehören Shetlandponys zu den kräftigsten Pferden und kann das Doppelte seines Gewichtes ziehen.
Auch die Esel gehören zur Gattung der Pferde. Die Wldesel unterteilen sich in drei Arten, Afrikanischer Esel (Equus asinus), Asiatischer Esel (Equus hemionus) und Kiang (Equus kiang). Der Esel wurde vor über 5.500 Jahren wahrscheinlich in Nordostafrika als Last- und Reittier domestiziert. Ausgangsform ist der Nubische Wildesel (Equus africanus africanus). Vor etwa 4.000 Jahren erschien er in China. Nach Europa gelangte er vermutlich im Gefolge der Etrusker vor etwa 3.000 Jahren. Mit der Ausdehnung des Römischen Reichs erlangte er eine weite Verbreitung in Europa.
Carl von Linné (Linnaeus) beschrieb 1758 die domestizierte Form des Esels als "Equus asinus". Der Nubische Wildesel wurde als erste Wildform 1866 von Martin Theodor von Heuglin und Leopold Joseph Franz Johann Fitzinger mit der Bezeichnung "Asinus africanus "beschrieben. Da Asinus nicht als gültige Gattung angesehen wird und der Name der Wildform Vorrang über den der Haustierform hat, ist die korrekte Bezeichnung des Hausesels "Equus africanus forma asinus". [Quelle: Zootier-Lexikon]
Der Poitou-Esel ist ein massiger Großesel mit großem, schwerem Kopf, langen Ohren und breiten Hufen. Das zottige Fell ist meistens kastanien- bis schwarzbraun. Benannt ist der Esel nach dem Gebiet Poitou (Region Poitou-Charentes) im Westen Frankreichs. Die Esel wurden in großem Stil für die Maultier-Produktion verwendet, wobei als Zuchtstuten hauptsächlich Kaltblutpferde der Rasse "Trait Poitevin Mulassier" eingesetzt wurden.
In Münster kann man Pferde nicht nur sehen, sondern auch hören. In dem kleinen Tunnel ertönt der Hufschlag gemäß der jeweiligen Gangart. Passend dazu leuchtet das entsprechende Bild auf.
Münster
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- Pferde und Pferdemuseum - Pferde im Allwetterzoo und im Westfälischen Pferdemuseum








