El Muro de las Lágrimas - Die Mauer der Tränen

Eine faszinierende Wanderung durch eine wunderschöne Landschaft auf der Galápagos-Insel Isabela. Auf dem Weg trifft man auf viele verschiedene Tierarten und am Ende des Weges wartet eines der grausamsten Zeugnisse aus vergangenen Tagen.

 

El Muro de las Lágrimas
El Muro de las Lágrimas

Der Leiter des Gefängnisses zwang die Gefangenen dazu, eine riesige Mauer zu bauen, die die Gefängnisanlage umgeben sollte. Einen praktischen Nutzen hatte die Mauer nicht. Es ging vielmehr darum, die Gefangenen zu beschäftigen, zu bestrafen, sie leiden zu lassen. Sie mussten die schweren und oft scharfkantigen Lavasteine erst von einem entfernten Krater herbeischaffen und sie dann zu einer Mauer aufstapeln, ohne Mörtel und ohne technische Hilfsmittel. Dabei kam es vor, dass Steine abrutschten und Teile der Mauer zusammenfielen. Das brachte neben physischer Bestrafung zumeist die Order, die Mauer noch höher zu bauen. 1959 kam es zu einem Aufstand und einer Massenflucht der Gefangenen. Noch im gleichen Jahr wurden das Gefängnis geschlossen und der Nationalpark Galápagos gegründet.

Einziges Überbleibsel aus dieser Zeit ist die Mauer der Tränen, El Muro de las Lágrimas. Der heute noch erhaltene Teil der Mauer ist ca. 100 Meter lang, 3 Meter breit und bis zu 6 Meter hoch. Der Name steht für die Qualen und Opfer der Menschen, die diese Mauer bauen mussten. Man sagt, dass die Mauer tausendenden von Gefangenen das Leben kostete, aufgrund von Verletzungen, Unfällen, Schikanen, Misshandlungen in Verbindung mit schlechter Ernährung und unzureichender medizinischer Versorgung. Viele litten an Tuberkulose und anderen Krankheiten. Die ständige Nahrungsmittelknappheit versuchte man durch die Anpflanzung landwirtschaftlicher Produkte ein wenig einzudämmen.

 

1.pngAusgangspunkt der Tour ist Puerto Villamil. Start war kurz nach 7 Uhr am Morgen. Zu dieser Zeit sind nur wenige Menschen unterwegs, dafür aber viele Tiere und es ist noch nicht so heiß. Von Puerto Villamil sind es etwa 6 km bis zur Mauer. Es gibt einige lohneswerte Abzweigungen. Rechnet man diese hinzu, ist es ca. ein Kilometer mehr. Der Weg ist gut ausgeschildert, anfangs geteert, später geht er in einen festen sandigen Weg über. Viele Besucher legen die Strecke mit dem Fahrrad zurück und benötigen dafür nicht mehr als 30-40 Minuten. Das Rad ist bequem und schnell, aber es besteht die große Gefahr, dass man so einiges übersieht. Daher ist es empfehlenswert, die Strecke zu Fuß zurückzulegen. Man begegnet vielen Tieren und es gibt es mehrere interessante Stellen rechts und links des Weges, die es lohnt aufzusuchen und dort für einige Zeit zu verbleiben. Der Weg führt zunächst parallel zum Strand und beginnt vielversprechend. Am Wasser und den angrenzenden Büschen und Sträuchern sind die ersten Tiere zu sehen.

Auf der anderen Seite des Weges liegen die Lagune von Los Diablos und angrenzende Wasserflächen. Das Meer sorgte mit seinen Ablagerungen dafür, dass sich Mangrowenwälder an der Küsten bilden konnten und diese Wasserflächen vom Meer getrennt wurden. So entstand ein Lebensraum, in dem sich zahlreiche Wasservögel, darunter auch die Kuba-Flamingos (Phoenicopterus ruber) wohlfühlen.

Blick aufs Meer
Blick aufs Meer

Steinwälzer (Arenaria interpres)
Steinwälzer
(Arenaria interpres)

Regenbrachvogel (Numenius phaeopus)
Regenbrachvogel
(Numenius phaeopus)

Brauner Pelikan (Pelecanus occidentalis urinator)
Brauner Pelikan
(Pelecanus occidentalis urinator)

Pozas de las Diablas
Poza de las Diablas

Pozas de las Diablas
Poza de las Diablas

Kuba-Flamingo (Phoenicopterus ruber)
Kuba-Flamingo
(Phoenicopterus ruber)

Amerikanischer Stelzenläufer (Himantopus mexicanus)
Amerikanischer Stelzenläufer
(Himantopus mexicanus)

Bahamaente (Anas bahamensis galapagensis)
Bahamaente
(Anas bahamensis galapagensis)

Lava-Reiher oder Galapagosreiher (Butorides sundevalli)
Lava-Reiher oder Galapagosreiher
(Butorides sundevalli)

Schlammtreter (Tringa semipalmata)
Schlammtreter
(Tringa semipalmata)

Glattschnabelani (Crotophaga ani)
Glattschnabelani
(Crotophaga ani)

2.pngNach ungefähr 2 Kilometern ist das erste Zwischenziel erreicht. Eine Informationstafel beschreibt den weiteren Weg und weist auf 8 interessante Orte hin, die unter dem Begriff "Complejo de Humedales" zusammenfasst werden. Es ist ein Komplex von kleinen Wanderwegen, die zu verschiedenen Zieles des Feuchtgebietes führen, z. B. playas (Strände),  pozas (Lagunen oder Teiche) und Lavatunnel.

Da viele Meerechsen in diesem Gebiet ihre Bruthöhlen haben, sind einige Flächen abgesperrt und deren Betreten ist strengstens verboten. Im letzten Teil der Strecke erwarten uns die Riesen-Schildkröten am Camino de las Tortugas, ein Aussichtspunkt namens Cerro Orchilla und zum Schluss die Mauer und El Radar.

Wegweiser Muro de las Lágrimas

Ausschnitt aus dem Wegweiser

Dieser Weg ist kein Rundweg, d.h. man geht die gleiche Strecke wieder zurück. Das klingt öde, ist es aber nicht, denn der Rückweg kann völlig anders verlaufen, z.B. weil andere Tiere zu sehen sind oder der Ausblick von einem Aussichtspunkt aufgrund anderer Wetter- oder Lichtverhältnisse anders erscheint. Die Zeitangabe von 3 Stunden ist maßlos übertrieben, es sei denn, man möchte eine längere Rast einlegen oder gar ein Bad im Meer nehmen. Am besten ist, überhaupt nicht auf die Zeit zu achten, sondern jeden Schritt zu genießen. Es lohnt sich. Wir sind jeder Abzweigung gefolgt und haben manche Überraschung erlebt. Hier einige Beispiele:

Mangrovebaum-Waldsänger (Setophaga petechia aureola)
Mangrovebaum-Waldsänger
(Setophaga petechia aureola)

Meerechsen (Amblyrhynchus cristatus cristatus)Verstopfte Straßen gibt es auch auf Isabela. Auf dem Weg zur La Playita sonnen sich die Meerechsen.

Diese Meerechse lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Auch nicht von einer kleinen LavaechseDiese Meerechse lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Auch nicht von einer kleinen Lavaechse.

Lavaechse (Microlophus albemarlensis)Lavaechse
(Microlophus albemarlensis)

Los Tunos
Los Tunos

Jasminocereus thouarsii
Die auf Galápagos endemische Kaktee Jasminocereus thouarsii kann bis zu 7 Meter hoch werden.

Lavatunnel (Tunel de Estero)
Lavatunnel
"Tunel de Estero"

Ein Fisch im Lavatunnel
Ein Fisch im Lavatunnel

Blick vom Tunel de Estero in Richtung El Radar
Blick vom Tunel de Estero
in Richtung El Radar

Poza Escondida
Poza Escondida

Ein kleiner Tunnel in der Zona de Majagua
Ein kleiner Tunnel
in der Zona de Majagua.

Hinter dem Tunnel befindet sich eine kleine Lagune
Hinter dem Tunnel befindet sich
eine kleine Lagune

 

3.pngDieser Streckenabschnitt trägt den Namen "Camino de las Tortugas" , die Straße der Schildkröten. Die Nationalpark Verwaltung setzt hier jüngere Schildkröten vom Sierra Negra Vulkan aus, um die frei lebende Population zu stärken. Dabei handelt es sich um Chelonoidis guntheri, die wie die Cerro-Azul-Riesenschildkröte (Chelonoidis vicina), hier auf Isabela im Centro de Crianza Tortugas Gigantes Arnaldo Tupiza Chamaidan nachgezüchtet wird.

Camino de las Tortugas
Camino de las Tortugas

Iguana crossing
Iguana crossing

Sierra-Negra-Riesenschildkröte (Chelonoidis guntheri)
Sierra-Negra-Riesenschildkröte
(Chelonoidis guntheri)

Sierra-Negra-Riesenschildkröte (Chelonoidis guntheri)
Sierra-Negra-Riesenschildkröte
(Chelonoidis guntheri)

 

4.pngMirador Cerro Orchilla ist ein Aussichtspunkt etwa 800 Meter vor El Muro de las Lágrimas. Von hier aus hat man mit einem wunderbaren Rundumblick, in östlicher Richtung auf Poza de las Diablas und Puerto Villamil, in nördlicher Richtung auf den Vulkan Sierra Negra und in westlicher Richtung liegt der Vulkan Cerro Azul.

Aussichtspunkt Cerro Ochilla
Aussichtspunkt Cerro Ochilla

Aussichtspunkt Cerro Ochilla
Aussichtspunkt Cerro Ochilla

Blick in Richtung Cerro Azul
Blick in Richtung Cerro Azul

Blick in Richtung Sierra Negra
Blick in Richtung Sierra Negra

Blick auf die Lavafelder und Poza de las Diablas
Blick auf die Lavafelder
und Poza de las Diablas

Blick auf Poza de las Diablas und Puerto Villamil
Blick auf Poza de las Diablas
und Puerto Villamil

Der restliche Weg bis zur Mauer der Tränen
Der restliche Weg
bis zur Mauer der Tränen

 

5.pngJe näher man der Mauer kommt, um so beeindruckender wirkt sie. Die einzelnen Steine scheinen locker aufeinander zu liegen, das Ganze wirkt sehr fragil. Eigentlich erstaunlich, dass sie noch immer recht gut erhalten ist. Hinter der Mauer liegt, ein wenig versteckt, der Aufstieg zu El Radar und dem Aussichtspunkt Mirador de las Lagrimas.

Informationen zur Mauer
Informationen zur Mauer

Gedenktafel für die, die hier gelitten haben und die, die hier gestorben sind.
Gedenktafel für die, die hier gelitten haben und die, die hier gestorben sind.

Die Innenseite der Mauer
Die Innenseite der Mauer

Die Außenseite der Mauer
Die Außenseite der Mauer

Gut zu erkennen, wie die Steine aufgestapelt wurden
Gut zu erkennen, wie die Steine
aufgestapelt wurden

 

Blick von oben auf die Mauer
Blick von oben auf die Mauer

Im Hintergrund der Aufstieg zu El Radar
Im Hintergrund der Aufstieg zu El Radar

6.pngNach dem Besuch der Mauer wartet ein weiteres Highlight. Ein schmaler Pfad, in dem mehr als 300 Stufen eingearbeitet sind, führt zum Mirador de las Lagrimas, einem weiteren Aussichtspunkt mit grandioser Fernsicht. Hier oben ist auch "El Radar", der Ort, an dem einst eine Radaranlage vom amerikanischen Militär betrieben wurde. Heute ist nur noch die Bodenplatte zu sehen.

Informationen zu El Radar
Informationen zu El Radar

Standort von El Radar
Standort von El Radar

Der Aussichtspunkt Mirador de las Lagrimas
Der Aussichtspunkt
"Mirador de las Lagrimas"

Blick auf's Meer
Blick auf's Meer

Blick auf Poza de las Diablas und Puerto Villamil
Blick auf Poza de las Diablas
und Puerto Villamil

Der Rückweg geht bedeutend schneller als der Hinweg, unter anderen, weil es jetzt ein wenig Gefälle gibt. Das veranlasst einige Radfahrer,  schneller zu fahren oder gar Rennen auszutragen. Nicht ganz ungefährlich, weder für die Tiere, noch für Fußgänger oder die Radfahrer selbst. Aus diesem sind auf dem Rückweg Schilder zu sehen, die eigens für die Radfahrer angebracht wurden.

Vorsicht vor den Abfahrten
Vorsicht vor den Abfahrten

Zum Schluss ein kleines, persönliches Fazit. Eine wunderbare Tour, die viele unterschiedliche Aspekte vereint. Meer, Lagunen, Strände, tolle Aussichtspunkte, viele unterschiedliche Tiere und ein geschichtsträchtiger Ort. Alles gratis und ohne einen Guide in Anspruch nehmen zu müssen. Wer keinen Zeitdruck hat, sollte nicht mit dem Rad fahren, sondern lieber laufen und dafür einen guten halben Tag einplanen. Ganz entspannt jeden Schritt genießen, denn überall gibt es etwas zu sehen. Gerne auch mal einen der vielen Rastplätze nutzen, z.B. an den pozas. Es gibt viele interessante Pflanzen und häufig dauert es nur wenige Minuten, bis der ein oder andere Vogel vorbeischaut. Meerechsen, Lava Lizards und Schildkröten muss man nicht suchen. Sie sind so zahlreich vorhanden, dass man ihnen nicht entgehen kann. Mitnehmen sollte man ausreichend Wasser und bei Bedarf etwas zu essen. Auf dem Rückweg bietet es sich an, ein Bad im Meer zu nehmen und den Tag locker ausklingen zu lassen.


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Verweise