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Metazoa

Das Reich Metazoa (Vielzellige Tiere) [HAECKEL, 1874]

Als Mehrzeller oder Vielzeller (Metazoa) werden Tiere beschrieben, die aus mehreren Zellen aufgebaut sind. Im Laufe der Evolution haben sich die Zellen auf unterschiedliche Aufgaben spezialisiert. Vielzeller werden die zwei Abteilungen "Gewebelose" und "Gewebetiere" unterteilt. Die nachfolgende Übersicht beschreibt kurz die Strukturebenen und verweist auf die mehr als 30 Stämme, die in den ungeordneten Seiten bis auf die Ebene der Familien erläutert werden.

 

Die Abteilung Parazoa (Gewebelose)

Gewebelose kennen kein spezialisiertes Nerven- oder Muskelgewebe, keine Organe und keine echte Körpersymmetrie. Zugehörige Stämme sind:

 

Die Abteilung Eumetazoa (Gewebetiere) [BÜTSCHLI, 1910]

Gewebetiere sind Tiere mit echten Zellgeweben. Es kommt in ihrer Entwicklung zu einer frühen Aufspaltung der embryonalen Zellen in zwei Zellschichten, Entoderm und Ektoderm. Nur Gewebetiere verfügen über spezialisierte Zelltypen wie Nervenzellen oder Muskelzellen. Strukturiert werden die Gewebetiere in die beiden Unterabteilungen "Hohltiere" und "Zweiseitentiere".

 

Die Unterabteilung Coelenterata (Hohltiere)

Typisches Merkmal der Hohltiere ist die radialsymmetrische Körperform (mehrere in der Längsrichtung verlaufende Symmetrieachsen). Es gibt keinen Blutkreislauf und keine Atmung. Zugehörige Stämme sind:

  • Der Stamm Cnidaria (Nesseltiere) [HATSCHEK, 1888]
  • Der Stamm Ctenophora (Rippenquallen) [ESCHSCHOLTZ, 1829]

In der phylogenetischen Systematik (= Betrachtung der stammesgeschichtlichen Entwicklung der Lebewesen) werden Nesseltiere und Rippenquallen nicht zu einer gemeinsamen Gruppierung zusammengefasst. Hier werden die Rippenquallen gemeinsam mit Bilateria unter dem Ordnungsbegriff Acrosomata geführt.

 

Die Unterabteilung Bilateria (Zweiseitentiere) [HATSCHEK, 1888]

Bei diesen Tieren ist die linke Körperhälfte spiegelbildlich zur rechten Körperhälfte gebaut, zumindest äußerlich. Innerlich kann die Lage einzelner Organe diese Symmetrie durchbrechen, beispielsweise die Leber des Menschen. Weitere gemeinsame Merkmale sind ein Vorder- und ein Hinterende sowie ein Mund. Zu Bilateria werden auch die Nachfahren dieser Stämme gezählt, selbst wenn sich einzelne Merkmale im Laufe der Evolution verändert haben. Die Vielzahl der Stämme wird in 2 Stammgruppen gegliedert. Ausnahme hierzu ist der Stamm Acoelomorpha, der aus dem Stamm der Plattwürmer (Plathelminthes) ausgegliedert wurde.

 

Acoelomorpha

 

Die Stammgruppe Protostomia (Urmünder) [GROBBEN, 1908]

Hierzu zählen die Stämme der Tiere mit einem vollständigen Verdauungstrakt inklusive Darm und After. In der Embryonalentwicklung des Darmes wird der Urmund (Blastoporus) zum Mund. Neben den Pfeilwürmern, die eine isolierte Sonderstellung bei den Urmündern einnehmen, werden die übrigen Stämme in 3 Gruppierungen (Überstämme) zusammengefasst:

  • Der Stamm Chaetognatha (Pfeilwürmer) [LEUCKART, 1854]
  • Der Überstamm Platyzoa (Plattwurmartige) [CAVALIER-SMITH, 1998]
  • Der Überstamm Lophotrochozoa (Lophotrochozoen)
    In dieser Gruppe werden 9 Stämme zusammengefasst. Neben den Weichtieren und den Armfüßern sind dies überwiegend wurmartige Organismen. Sie gelten als ökologisch sehr erfolgreich, einigen Arten wird ein komplexes Sozialverhalten und damit verbunden eine relativ hohe Intelligenz nachgesagt.
    • Der Stamm Annelida (Ringelwürmer oder Gliederwürmer) [LAMARCK, 1809]
    • Der Stamm Brachiopoda (Armfüßer) [DUMÉRIL, 1806]
    • Der Stamm Echiura (Igelwürmer) [NEWBY, 1940]
    • Der Stamm Ectoprocta (Moostierchen) [NITSCHE, 1869]
    • Der Stamm Entoprocta (Kelchwürmer) [NITSCHE, 1870]
    • Der Stamm Mollusca (Weichtiere) [CUVIER, 1797]
    • Der Stamm Nemertea (Schnurwürmer) [SCHULTZE. 1851]
    • Der Stamm Phoronida (Hufeisenwürmer) [HATSCHEK, 1888]
    • Der Stamm Sipuncula (Spritzwürmer) [RAFINESQUE, 1814]
  • Der Überstamm Ecdysozoa (Häutungstiere)
    Die Benennung basiert auf der Tatsache, dass diese Tiere einer hormonell gesteuerten Häutung unterliegen. Da sich die Außenhülle der Tiere während des Wachstums nicht kontinuierlich anpassen kann, muss die alte Hülle in bestimmten Zeitabständen abgestoßen werden. Darunter hat sich bereits die neue und größere Hülle entwickelt. Die Haut ist aus organischem Material aufgebaut. Die Mehrheit der Häutungstiere kennt getrennte Geschlechter.
    • Der Stamm Arthropoda (Gliederfüßer), u.a. mit Insekten, Spinnen und Skorpionen
    • Der Stamm Kinorhyncha (Hakenrüssler) [REINHARD, 1881]
    • Der Stamm Loricifera (Korsetttierchen) [KRISTENSEN, 1983]
    • Der Stamm Nematoda (Fadenwürmer) [RUDOLPHI, 1808]
    • Der Stamm Nematomorpha (Saitenwürmer) [VEJDOVSKY, 1886]
    • Der Stamm Onychophora (Stummelfüßer) [RAFINESQUE, 1814]
    • Der Stamm Priapulida (Priapswürmer) [DELAGE & HÉRUARD, 1897]
    • Der Stamm Tardigrada (Bärtierchen) [SPALLANZANI, 1777]

 

Die Stammgruppe Deuterostomia (Neumünder oder Zweitmünder)

Bei Neumündern wird in der Embryonalentwicklung der Urmund zum After. Der Mund entsteht aus dem Urdarm (Archenteron).

 

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