Spitzbergen (Svalbard)

Nordenskiöldbreen gehört zu den größten Gletschern im Isfjord, Spitzbergen. Er ist circa 25 km lang, 11 km breit und hat seinen Endpunkt in Adolfsbukta, einem Zweig des Billefjordes. Er ist benannt nach dem finnischen Geologen Adolf Erik Nordenskiöld (1832–1901)
Spitzbergen ist eine Inselgruppe, bestehend aus über 400 Inseln nördlich des Polarkreises. Vor 1925 galt der Name Spitzbergen sowohl für die größte Insel als auch für den gesamten Archipel. In Norwegen und vielen anderen Ländern wird die Bezeichnung Svalbard (kühle Küste) verwendet. Durch den am 9. Februar 1920 in Paris unterzeichneten Spitzbergenvertrag (Svalbardtraktaten) erhielt Norwegen die Souveränität über den Archipel inklusive aller Inseln und Felsen zwischen 74 und 81 Grad nördlicher Breite sowie zwischen 10 und 35 Grad östlicher Länge.
Als Tag der Entdeckung gilt der 17. Juni 1596, als eine holländische Expedition unter der Leitung von Willem Barentsz die "spitz zulaufenden Berge" an der Westküste beschrieb. Auf einer Karte von 1612 tauchte erstmalig die Bezeichnung "Spitsenberg" auf. Zahlreiche Berge auf dem Archipel sind allerdings keineswegs "spitz". Eigentlich sind das überhaupt keine Berge. Es handelte sich ursprünglich um eine ebene Landmasse. Die Gletscher fraßen sich immer tiefer in die Landmasse hinein und schoben die herausgelösten Gesteinsmassen vor sich her. So bildeten sich die Täler, während die "Berge" letztlich nur die übrig gebliebene Landmasse darstellen.
Die holländischen Entdecker hielten das neu entdeckte Land zunächst für einen Teil Grönlands. Bis 1720 wurden die Inseln zumeist auch als Grönland bezeichnet, später hieß es „Spitzbergen in Grønland“ oder "Ost-Grönland", um es vom originären Grönland im Westen zu unterscheiden. Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurden Grönland und Spitzbergen namentlich unterschieden.
Die Entstehung des Archipels begann vor ca. 600 Millionen Jahren, als sich das, was wir heute als Spitzbergen kennen, noch rund 15.000 Kilometer entfernt am Meeresboden des Südpols befand. Mit einer Geschwindigkeit von 1 bis 5 cm pro Jahr wanderte Spitzbergen nach Norden und geriet vor etwa 400 Millionen Jahren in die Kollision der erdgeschichtlichen Kontinente Lauentia (der weite Teile des heutigen Nordamerikas und Grönlands umfasste) und Baltica (der aus dem größten Teil des heutigen Nord- und Osteuropa bestand). Dadurch wurden die Gesteine zu einem riesigen Gebirge, dem Kaledonischen Gebirgsgürtel aufgetürmt. In der Jura-Zeit (vor etwa 201,3 Millionen Jahren bis etwa 145 Millionen Jahren) brachte die Plattentektonik Spitzbergen noch weiter nach Norden.
Zunächst war Spitzbergen mit Grönland vereint, erst vor 60 Millionen Jahren trennten sich diese Landteile voneinander. Auf Spitzbergen wuchsen zu jener Zeit Laub- und Nadelbäume. Große Mengen an fossilen Planzenteilen liegen u.a. in den Gletschern nahe Longyearbyen. Dort wurde auch die erste fossile Säugetierspur entdeckt. In der Kohlemine 7 fanden Bergleute im Dezember 2006 Spuren von Titanoides, eines ca. 3 Meter großen und 150 Kilogramm schweren bärenartigen Säugetiers mit großen Eckzähnen und kurzen Gliedmaßen. Titanoides gehört zur Ordnung der Pantodonta, einer Gruppe größerer pflanzenfressender Säugetiere. Diese Art stammt aus Nordamerika und ist von dort nach Spitzbergen eingewandert.

Abrisskante am Nordenskiöldbreen

Abrisskante am Nordenskiöldbreen

Endmoräne bei Longyearbyen in Spitzbergen

Endmoräne bei Longyearbyen in Spitzbergen

Endmoräne bei Longyearbyen in Spitzbergen

Blick über das nahezu leere Flussbett des Longyearelva

Gedenktafel für John Munroe Longyear

Blick auf den Adventfjord

Die ehemalige Mine 2 in Longyearbyen
Spitzbergen hat ca. 2.530 Einwohner (Stand 2023), davon knapp 2.000 im Verwaltungszentrum Longyearbyen auf der Hauptinsel Spitzbergen. Der Ort, der bis 1926 Longyear City hieß, wurde 1906 vom US-amerikanischen Unternehmer John Munroe Longyear als Bergarbeiterstadt gegründet. 1901 besuchte er Spitzbergen als Tourist und traf auf eine Expedition, die nach Kohle suchte. 1903 kehrte er zurück, um mit seinem Partner Frederick Ayer die norwegischen Claims auf der Westseite des Adventfjords zu kaufen und auszubauen.
Der Adventfjord ist 7 km lang und 4 km breit. In seiner Mitte bildet der Fluss Advent ein großes, breites Gezeitendelta. Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut beträgt bis zu 1,60 Meter. Der Name des Fjords ist eine norwegische Verballhornung des englischen Namens Adventure Bay. Der Name geht wahrscheinlich auf das englische Walfangschiff „Adventure“ zurück, das 1656 im Isfjord anlegte.
1906 begann man mit dem Abbau in der Grube 1a, nachdem Docks und Unterkünfte gebaut wurden. Die Kohle wurde mit einer von der Leipziger Seilbahngesellschaft Adolf Bleichert & Co. gebauten Seilbahn über eine Strecke von 1,2 Kilometer vom Bergwerk zum Hafen transportiert. 1916 übernahm die Store Norske Spitsbergen Kulkompani (SNSK) den Bergbaubetrieb. 2024 war nur noch eine Mine in Betrieb, deren Ende aber bereits terminiert ist. Gebäude, Gerätschaften und auch die Seilbahn sind noch am ursprünglichen Ort, da man die Geschichte unbedingt erhalten möchte. Alle Spuren von Menschen aus der Zeit vor 1946 sind gesetzlich geschützt. Mine 3, in der von 1971 bis 1996 Kohle gefördert wurde, ist jetzt ein Bergbaumuseum.
Heute ist Longyearbyen ein kleiner, aber sehr moderner und fortschrittlicher Ort mit diversen Geschäften, Kneipen, Restaurants, Kindergärten, einer Schule, einem Schwimmbad, einem Kino, einer Tankstelle, einem Hafen und einem Flughafen. Im Februar jeden Jahres findet das PolarJazz statt, das nördlichste Jazzfestival der Welt. Seit 1995 gibt es immer im Juni mit dem Spitzbergen-Marathon den nördlichsten Marathonlauf der Welt.
Man lebt vorwiegend vom Tourismus und der Forschung. Es gibt eine Außenstelle des norwegischen Polarinstitutes (NPI). Das University Centre in Svalbard (UNIS) ist ein Zentrum mehrerer norwegischer Universitäten mit dem Ziel, die universitäre Forschung und Ausbildung in Arktischen Wissenschafts- und Technologiefeldern sicherzustellen und Spitzbergen als Forschungsort für arktische Studien zu etablieren. Zudem gibt es hier das Svalbard Global Seed Vault, ein "Saatgut-Tresor". Seine wichtigste Aufgabe ist die Lagerung einer Mindestanzahl von Saatkörnern der zur Ernährung wichtigen Lebensmittel wie Reis, Mais, Weizen, Kartoffeln, Früchte, Nüsse und Wurzelgemüse, die in einem Katastrophenfall ausgeliefert und nachgezüchtet werden können.
Nach Longyearbyen ist Barentsburg der zweitgrößte Ort auf Spitzbergen. Barentsburg liegt etwa 40 Kilometer Luftlinie südwestlich von Longyearbyen und ist im Winter mit dem Schneemobil und in der eisfreien Zeit mit dem Boot zu erreichen. Der Ort kann auch mit einem Linienhubschrauber erreicht werden. Durch den Spitzbergenvertrag erwarb Russland im Jahr 1920 die Rechte, dort Bergbau zu betreiben. Von ehemals über 1.400 Bewohnern in den 1990er Jahren sind noch rund 400 verblieben. Der Kohleabbau wird zunehmend unrentabel, auch hier gewinnen der Tourismus und die Forschung an Bedeutung.
Eine weitere Bergbausiedlung ist Pyramiden (der Name stammt von der pyramidenartigen Form des gleichnamigen Berges) am Billefjorden. Sie wurde 1910 von Schweden gegründet und 1927 an die Sowjetunion verkauft. In ihrer Blütezeit hatte die Siedlung über 1.000 Einwohner. Am 31. März 1998 wurde die letzte Tonne Kohle verschifft und der Ort wurde aufgegeben. Aus Sicherheitsgründen sind die meisten Gebäude für unbefugte Besucher geschlossen. Im Rahmen von geführten Touren können sie besichtigt werden. Pyramiden kann per Boot oder Schneemobil erreicht werden. 2013 wurde das Hotel Tulipan im größten Gemeinschaftsgebäude von Pyramiden eröffnet, die Restaurierung des Kinos wurde 2019 abgeschlossen. Im Winter leben und arbeiten hier max. 10 und im Sommer bis zu 50 Personen.
Eine der nördlichsten Siedlungen der Erde ist Ny-Ålesund (früher Kings Bay) an der Südseite des Kongsfjorden. Das norwegische Parlament hat beschlossen, dass Ny-Ålesund zum Hauptzentrum für die norwegische Forschung in Svalbard ausgebaut werden soll. Es ist ein internationales Forschungszentrum mit teilweise oder ständig besetzten Polarforschungsstationen. Im Winter leben hier etwa 30 Menschen, im Sommer rund 130.
Norwegen
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