Curaçao

Rund um Willemstad: originelle Brücken und interessante Tiere

Wie Aruba und Sint Maarten ist auch Curaçao ein autonomes Land des Königreichs der Niederlande und damit kein souveräner Staat. Das bedeutet, Staatsoberhaupt ist der König der Niederlande. Offizielles Zahlungsmittel ist der Antillen-Gulden, bezahlt werden kann aber auch mit US-Dollar. Die Insel ist etwa 444 Quadratkilometer groß, ca. 60 Kilometer lang und zwischen 3 und 11 Kilometer breit. Das Klima ist ziemlich trocken, daher wird die Vegetation von Kakteen, Agaven und Dornensträuchern bestimmt. An der Südküste befinden sich Sandstrände, die Nordküste ist steinig mit Steilküsten. Zum Staatsgebiet gehört auch Klein Curaçao, eine unbewohnte und knapp 2 Quadratkilometer kleine Insel, etwa 11 Kilometer von der Hauptinsel entfernt.

Hauptstadt von Curaçao ist Willemstad. In den vier Stadtteilen der Innenstadt Punda, Otrabanda, Scharloo und Pietermaai gibt es viele historische Gebäude der niederländischen Kolonialarchitektur. Daher wurde die Altstadt 1997 in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen. Inklusive der Vororte leben in Willemstad etwa 125.000 Einwohner, das sind rund 85% der Einwohner von Curaçao.

Am 26.07.1499 kamen die Spanier nach Curaçao, am Namenstag der Heiligen Anna. Sie landeten in einer Bucht, die sie "Bahia de Santa Ana" nannten, der heutigen „Sint Annabaai“. Sie trafen auf Caiquetio-Indianer vom Stamm der Arawak, die ursprünglich von der Nordküste Amerikas, dem heutigen Venezuela stammten. Deren beeindruckende Körpergröße veranlasste die Spanier zur Bezeichnung "Isla de los Gigantes" (Insel der Riesen). Wenige Jahre später begannen die Spanier, die Indianer als Sklaven zu verkaufen, überwiegend an die Kupferminen von Santo Domingo.

1634 wurde Curaçao von den Niederländern erobert. Johan van Walbeeck war im Auftrag der Westindischen Handelsgesellschaft auf der Suche nach neuen Salzquellen. Ohne großen Widerstand der Spanier drangen sie in die "Bahia de Santa Ana" ein und gründeten auf der östlichen Seite Willemstad. Das Gebiet bekam den Namen "de Punt", woraus später die Bezeichnung "Punda" entstand. Um den Hafeneingang zu schützen wurde das Fort Amsterdam erbaut. 1707 wurde auf der gegenüberliegenden Seite ein neues Viertel gegründet. Sie nannten es "Otrabanda", die andere Seite.

Koningin Emmabrug in Willemstad
Koningin Emmabrug (Pontjesbrug) in Willemstad

Im Vordergrund die Königin-Emma-Brücke (Koningin Emmabrug), im Hintergrund die Koningin Julianabrug
Pontjesbrug, im Hintergrund die Koningin Julianabrug,
mit 60 Metern die höchste Brücke der Karibik

Die 168 Meter lange Königin-Emma-Brücke (Koningin Emmabrug) oder „Pontjesbrug“ ist eine auf 16 schwimmenden Pontos aufgebaute Brücke zwischen den beiden Stadtteilen Punda und Otrabanda. Die 1888 erbaute und 2006 erneuerte Konstruktion ist weltweit einzigartig. Um den Schiffen die Durchfahrt auf dem Sint-Annabaai zu ermöglichen, werden die Pontons mit einem Motor an das Punda-Ufer gedreht. Benannt ist die Brücke nach der niederländischen Königin Emma (Adelheid Emma Wilhelmina Theresia zu Waldeck und Pyrmont, 1858-1934). Autos dürfen die Brücke nicht nutzen, sie müssen über die Koningin Julianabrug fahren.

Königin-Wilhelmina-Brücke (Koningin Wilhelminabrug)
Koningin Wilhelminabrug

Prinzessin-Amalia-Brücke (Prinses Amalia brug)
Prinses Amalia brug

Leonard-Burlington-Smith-Brücket (Leonard B. Smith brug) aus dem Jahr 2007
Leonard B. Smith brug

Neben der Königin-Emma-Brücke gibt es in Willemstad 3 weitere interessante Zugbrücken, die alle über den Waaigat führen.

  • Die Königin-Wilhelmina-Brücke (Koningin Wilhelminabrug) verbindet die Stadtteile Punda und Scharloo. Sie ist seit 2005 im Einsatz, als Ersatz für die nicht mehr funktionstüchtige Zugbrücke aus dem Jahr 1928.
  • Die Prinzessin-Amalia-Brücke (Prinses Amalia brug) ist die jüngste Brücke. Sie wurde 2016 in Winterswijk, Niederlande vorgefertigt und vor Ort montiert.
  • Die dritte Brücke ist eine Fußgängerbrücke aus dem Jahr 2007. Sie ist benannt nach dem amerikanischen Unternehmer und US-Konsul Leonard Burlington Smith, der 1888 die Königin-Emma-Brücke baute. Auch diese Brücke ist eine Besonderheit, da nicht zwei halbe Längen der Brücke gezogen werden, sondern zwei halbe Breiten, also 2 schmale Teile, die jeweils bis zur anderen Seite reichen.

Das Modell eines Grünen Leguans vor einem Restaurant in WillemstadModell eines Grünen Leguans
vor einem Restaurant in Willemstad

Fassade des verlassenen Keizerhof-Komplexes, früher ein Hotel mit Restaurants und Bars
Street Art in Willemstad:
Fassade des verlassenen Keizerhof-Komplexes

Street Art in Willemstad: Rasta Car Wash
Street Art in Willemstad:
Rasta Car Wash


Auf Curaçao gab es keine Edelmetalle, die spärlichen landwirtschaftlichen Erträge reichten nicht für die Anlage wirtschaftlicher Plantagen und so entwickelte sich Willemstad zu einem wichtigen Umschlagplatz für Sklaven aus Westafrika. 1863 schafften die Niederlande die Sklaverei ab. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Insel abwechselnd von Engländern und Niederländern beherrscht. Nach der Niederlage Napoleons wurde im Vertrag von Paris 1816 festgehalten, dass Curaçao, ebenso wie Aruba und Bonaire, endgültig den Niederlanden zugesprochen wird.

Ab den 1860er Jahren verlor Curaçao wirtschaftlich an Bedeutung. Das änderte sich in den 1920er Jahren, als Shell in Willemstad eine der größten Erdölraffinerien der Welt baute. Seitdem wird Rohöl aus Venezuela verarbeitet. Für diesen Standort entschied man sich, da die politischen Verhältnisse auf dem Festland als zu instabil galten. Während des Zweiten Weltkrieges lief die Produktion von Flugbenzin für die Flugzeuge der britischen und kanadischen Airforce auf Hochtouren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Raffinerie mehrfach ausgebaut. Neben dem Ölhafen befindet sich der Industriehafen, der als Freihafen und als zentraler Containerumschlagplatz für die Karibischen Inseln genutzt wird. Seit den 1960er Jahren wächst die Bedeutung des Tourismus als wesentliche Einnahmequelle.

Die Unterwasserwelt rund um die Insel steht seit vielen Jahren unter Naturschutz. Dies hat Curaçao und seine Nachbarinseln zu einem weltbekannten Tauchgebiet gemacht. Man kann neben Weich- und Steinkorallen auch zahlreiche Schwämme, Anemonen,  Seepferdchen, Skorpionfische, Rochen, Barrakudas, Haie und Meeresschildkröten beobachten. Von sieben weltweit existierenden Meeresschildkrötenarten leben fünf in den Tauchgewässern um Curaçao. Drei von ihnen brüten sogar auf der Insel, im Shete Boka Nationalpark. Vor den Küsten liegen einige Schiffswracks, die von Korallen und kleinen Rifffischen bewohnt sind. Sie sind i.d.R. für Taucher und teilweise auch mit dem Schnorchel erreichbar.
 

Grünreiher (Butorides virescens virescens)
Grünreiher
(Butorides virescens virescens)

Barrakuda, möglicherweise ist es ein Großer Barrakuda (Sphyraena barracuda)
Barrakuda, möglicherweise ist es
ein Großer Barrakuda (Sphyraena barracuda)

Kleiner Gelbschenkel (Tringa flavipes)
Kleiner Gelbschenkel
(Tringa flavipes)

Grüner Leguan (Iguana iguana)
Grüner Leguan
(Iguana iguana)

Adulter Krabbenreiher (Nyctanassa violacea bancrofti)
Adulter Krabbenreiher
(Nyctanassa violacea bancrofti)

Junger Krabbenreiher (Nyctanassa violacea bancrofti)
Junger Krabbenreiher
(Nyctanassa violacea bancrofti)

Safranammer (Sicalis flaveola flaveola)
Safranammer
(Sicalis flaveola flaveola)

Nordkarakara oder Karibikkarakara (Caracara cheriway)
Nordkarakara oder Karibikkarakara
(Caracara cheriway)

Trauergrackel (Quiscalus lugubris lugubris)
Trauergrackel
(Quiscalus lugubris lugubris)


Auch an Land kann man interessante Tiere entdecken, zum Beispiel Orangetrupial (Icterus icterus ridgwayi), Nordkarakara oder Karibikkarakara (Caracara cheriway cheriway) oder die endemischen Arten wie Curaçao-Braunwangensittiche oder St.-Thomas-Sittiche (Eupsittula pertinax pertinax), Curaçao-Rennechsen (Cnemidophorus murinus) und die seltenen Curaçao-Weißwedelhirsch (Odocoileus virginianus curassavicus). Man vermutet, dass die Arawak-Indianer die Hirsche aus Südamerika nach Curaçao eingeführt haben. Die Population wird auf weniger als 250 Tiere geschätzt. Die meisten von ihnen leben innerhalb des 2300 Hektar großen Christoffelpark im Nordosten. Der 1978 eingerichtete Park basiert im wesentlichen auf dem Gelände dreier ehemaligen Plantagen Zorgvliet, Savonet und Zevenbergen und der ehemaligen Manganmine Newtown. Er wurde benannt nach der höchsten Erhebung der Insel, dem 372 Meter hohen Sint-Christoffelberg. Die Biodiversität des Christoffelparks gilt als die höchste auf den gesamten ABC-Inseln.

Curaçao-Rennechse (Cnemidophorus murinus)
Curaçao-Rennechse
(Cnemidophorus murinus)

Curaçao-Rennechse (Cnemidophorus murinus)
Curaçao-Rennechse
(Cnemidophorus murinus)

Curaçao-Rennechse (Cnemidophorus murinus)
Curaçao-Rennechse
(Cnemidophorus murinus)

 

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